Der Artikel von Norbert Köster befasst sich mit der kirchengeschichtsdidaktischen Bedeutung materieller Gegenstände für Lernprozesse im Religionsunterricht und in der Katechese. Gegenstände haben eine zentrale Funktion in religiöser Kommunikation und ermöglichen durch ihre materiale Präsenz einen besonderen Zugang zur historischen Dimension von Religion. Der Autor unterscheidet zwischen historischen Sachquellen, die aus religiöser Praxis stammen, und Kunstwerken oder literarischen Quellen. Die Vorzüge gegenständlicher Quellen liegen in ihrer Anschaulichkeit, Haptik, Authentizität und emotionalen Wirkung, die ein Lernen mit allen Sinnen ermöglichen. Im internationalen Forschungskontext hat sich der sogenannte "material turn" etabliert, während er in der deutschsprachigen Theologie und Kirchengeschichte bislang weniger rezipiert wurde. Für den schulischen Unterricht kommen primär mobile Sachquellen in Frage, die es Schülerinnen und Schülern ermöglichen, Gegenstände zu berühren und zu erforschen. Der Artikel beschreibt ein didaktisches Dreischritt-Modell: Im ersten Schritt erfolgt die sinnliche Wahrnehmung des Gegenstandes mit kritischer Hinterfragung seiner Originalität. Der zweite Schritt widmet sich der Rekontextualisierung durch Heranziehen weiterer Quellen und das Entwickeln von Hypothesen. Im dritten Schritt werden von Schülerinnen und Schülern formulierte Narrationen des Gegenstandes kritisch reflektiert. Der Autor betont die Unterscheidung zwischen historischer Quellenarbeit mit Gegenständen und Symboldidaktik, da es um den Eigensinn der Objekte geht. Allerdings wird festgestellt, dass die praktische Verwendung historischer Gegenstände im Religionsunterricht bislang wenig geübt wird und entsprechend wenige unterrichtliche Praxisbeispiele in der Fachliteratur vorliegen.