Der Artikel erörtert bildungstheoretische Geistkonzepte und verortet sie im Spannungsfeld zwischen theologischer Tradition und philosophischer Moderne. Dressler argumentiert, dass Geist sich kontinuierlich im Sprechen, Denken und Lernen konstituiert und damit nicht als statische Substanz, sondern als dynamische Kraft zu verstehen ist. Er analysiert Hegels System des absoluten Geistes als objektiven und subjektiven Geist, kritisiert aber dessen geschichtsphilosophisches Totalitätsdenken als gegenwärtig obsolet. Die Kantische Kritik an der cartesischen res cogitans wird als unverzichtbare Einsicht hervorgehoben, wonach vom Selbstbewusstsein nicht auf eine erkennbare geistige Substanz geschlossen werden kann. In Auseinandersetzung mit Schleiermacher und zeitgenössischen Theoretikern wie Peter Biehl wird Bildung nicht als Vermittlung allgemeiner Geistgestalten, sondern als Entfaltung individueller Potenziale unter Anerkennung eines transzendenten Grundes konzeptualisiert. Der Geistbegriff wird dabei epistemologisch als Prinzip kognitiver Leistungen verstanden, ohne ontologische Ansprüche auf ein Ordnungsprinzip des Seins zu erheben. Das Modell der Subjekt-Objekt-Beziehung wird durch eine Perspektive ersetzt, die Pluralität und Inkompatibilität von Weltperspektiven anerkennt. Damit wird eine bildungstheoretische Öffnung für pneumatologische Dimensionen religiösen Selbst- und Weltverständnisses ohne idealistische Totalitätsansprüche ermöglicht.