Der Artikel von Norbert Mette untersucht den vielschichtigen Begriff der Gerechtigkeit sowohl philosophiehistorisch als auch im Kontext der Religionspädagogik. Er argumentiert, dass die Frage nach Gerechtigkeit angesichts von Klimawandel, Veränderungen in der Arbeitswelt und globalen Herausforderungen zentral für heutige Verantwortungsträger ist, während der Begriff selbst häufig missbraucht wird, um Eigeninteressen zu kaschieren. Die Ursprünge des modernen Gerechtigkeitsdenkens werden in der antiken Philosophie verortet, wo die Sophisten begannen, Gerechtigkeit durch Vernunft statt göttliche Vorgaben zu begründen. Platon verstand Gerechtigkeit als Grundlage aller Tugenden und formulierte das einflussreiche Prinzip, dass jeder das Seine erhalten soll. Aristoteles differenzierte zwischen allgemeiner und besonderer Gerechtigkeit sowie zwischen ausgleichender und austeilender Gerechtigkeit, wobei beide auf dem Prinzip der Gleichheit basieren. Diese klassischen Theorien bergen Spannungen in sich: zwischen Gleichheit und Ungleichheit, zwischen subjektivem Rechtsanspruch und objektivem Recht, sowie zwischen Individuum und Gemeinwohl. Der Artikel verweist auf die bis heute andauernde Kontroverse über das Verhältnis von Tausch- und Verteilungsgerechtigkeit und deren praktische politische Konsequenzen. Aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen haben sich die Voraussetzungen für gerechtigkeitstheoretische Diskurse erheblich verändert, da weder göttliche noch natürliche Ordnungen allgemeine Akzeptanz finden. Der Artikel legt dar, dass für Christinnen und Christen die Auseinandersetzung mit Gerechtigkeit eine Verpflichtung darstellt, durch Erziehung und Bildung zu mehr Gerechtigkeit in der Welt beizutragen.