Der Artikel analysiert die Gerichtsbotschaft als zentrales Element christlicher Eschatologie und verbindet theologische, biblische und religionspädagogische Perspektiven. Im Alten Testament wurzelt die Gerichtsaussage in zwei Traditionen: erstens der prophetischen Ankündigung des Strafgerichts am "Tag Jahwes" und zweitens der weisheitlichen Überzeugung von individueller Rechenschaftspflicht vor Gott. Das Neue Testament knüpft an diese Traditionen an, verknüpft aber die Gerichtserwartung nun mit der Wiederkunft Jesu Christi und macht Jesus zum Maßstab und Träger des Gerichts. Zentral ist die Erkenntnis, dass Jesu Heilsbotschaft keine automatische Heilsgarantie impliziert, sondern menschliche Entscheidungsfreiheit und Verantwortung voraussetzt. Das Gericht dient daher als Unterscheidung (krisis) zwischen denen, die sich Gottes Heil zusagen lassen, und denen, die es ablehnen. Die neutestamentlichen Gleichnisse verdeutlichen dieses Unterscheidungsmotiv durch alltägliche Bilder wie Weizen und Spreu oder Schafe und Böcke. Ein wesentliches Element ist das "Gericht nach den Werken", das nicht extern verhängt wird, sondern innere Konsequenz menschlichen Handelns darstellt. Die Gerichtsbotschaft hat eine zentrale ethische Dimension, die zum Einsatz für Gerechtigkeit, gegen Unterdrückung und zur Liebe zum Nächsten auffordert, wie besonders Matthäus 25 zeigt. Der Artikel warnt jedoch vor einer Pervertierung der Botschaft, wenn Angst vor Bestrafung zur einzigen Triebfeder guten Handelns wird. Insgesamt wird das Gericht als theologisch verantwortliche Rede verstanden, die zwischen angstbesetzter Drohung und Entzug aus Verantwortung eine Balance halten muss.