Der Artikel behandelt den Glaubensbegriff als zentrale Kategorie der evangelischen Theologie und diskutiert seine empirische Erfassbarkeit. Glaube wird definiert als sowohl tradierte inhaltliche Glaubenswahrheiten (fides quae) als auch gelebte religiöse Praxis (fides qua) in ritueller und ethischer Dimension. Der Text differenziert zwischen religiösem Glauben und säkularer Gläubigkeit und stellt vor, wie Sozialwissenschaftler unter dem Begriff Religiosität individuelle Glaubensüberzeugungen untersuchen. Zentral sind die multidimensionalen Strukturmodelle von Charles Y. Glock mit fünf Dimensionen sowie Daten des Religionsmonitors, die erhebliche regionale Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland belegen: In Westdeutschland bekennen sich 54 % zum Glauben an Gott, in Ostdeutschland nur 23 %. Der Artikel dokumentiert einen kontinuierlichen Trend des Bedeutungsrückgangs von Religion, besonders bei Jugendlichen und in der Altersgruppe der 16- bis 30-Jährigen, wobei die Abnahme religiöser Sozialisation in Familien als Haupterklärungsfaktor identifiziert wird. Sinus-Studien und Jugendstudien zeigen, dass Glaube, wenn überhaupt von Bedeutung, zunehmend privatisiert und individualisiert wird und sich bewusst von kirchlicher Institutionalisierung distanziert. Historisch werden die Glaubenstheorien des Paulus und Augustinus dargestellt, während zeitgenössische Religionsphilosophie zwischen kognitiven und affektiven sowie zwischen fiduzial-vertrauenden und doxastisch-für-wahr-haltenden Dimensionen des Glaubens unterscheidet. Der Text betont, dass diese verschiedenen Aspekte in sachlogischer Interdependenz stehen und nur in ihrer Einheit ein umfassendes Verständnis von Glaube ermöglichen.