Der Artikel analysiert empirische Daten zum Gottesglauben in Deutschland anhand standardisierter Befragungen wie den Shell-Jugendstudien und ALLBUS-Umfragen und dokumentiert einen kontinuierlichen Rückgang des personalen Gottesglaubens (von 25,2% im Jahr 2002 auf 16,8% im Jahr 2023). Die Autoren zeigen, dass sich Gottesvorstellungen hochgradig pluralisiert haben und dass die Erosion des Gottesglaubens auch in konfessionellen Jugendlichen zu beobachten ist. Sie argumentieren, dass die Gottesfrage trotz ihrer rationalen Unbeantwortbarkeit im schulischen Religionsunterricht zentral bleiben sollte, da sie auf fundamentale menschliche Existenzerfahrungen wie Liebe, Sterben, Schuld und Zufall verweist. Gegen Wittgensteins Diktum des Schweigens über das Unsprechbare werden kulturhistorische, religionspolitische und existenzielle Gründe für die schulische Thematisierung Gottes entwickelt. Der Artikel betont, dass letztlich unbeantwortbare Daseinsfragen konstitutiv zum Menschsein gehören und dass Menschen unweigerlich Worte und Gedanken für das Unbegreifliche suchen. Die schulische Aufgabe besteht darin, Schülerinnen und Schüler zu lehren, mit unentscheidbaren Fragen umzugehen, die dennoch entschieden werden müssen. Die Besonderheit des Religionsunterrichts liegt in der expliziten Fokussierung auf die Gottesfrage, die als Inhalt und Bezugspunkt des gesamten Unterrichts fungiert und die existenzielle Dimension von Bildung markiert.