Der Artikel analysiert den katholischen Gottesdienst als theologisches und anthropologisches Phänomen. Das deutsche Wort Gottesdienst leitet sich vom lateinischen opus Dei ab und integriert Verehrung und Heilsvermittlung als Dialog zwischen Gott und Kirche. Der Text verfolgt die etymologischen und begriffsgeschichtlichen Entwicklungen von Kult, Liturgie und Ritual von der Antike über das Neue Testament bis zur Gegenwart. Während Kult das dienende Verhalten gegenüber Gott bezeichnet und in nachbiblischer Zeit die Liturgie speziell die Eucharistiefeier meint, erlaubt der Ritualsbegriff einen anthropologischen Zugang zur christlichen Kultpraxis. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurde das Ritual lange als Gegensatz zur Spontaneität dargestellt, wobei sich jedoch contemporary emerging ritual als expressiver Ausdruck versteht. Der Artikel betont, dass in der Liturgiefeier die gesamte Gemeinde als Liturge tätig ist, gemäß der Maxime aus Mt 18,20. Im Sinne des opus Dei ist Gott primäres Subjekt der Liturgie, während der Mensch als handelndes Subjekt beteiligt bleibt und durch Erinnerung, Gedenken, Bekenntnis und Versöhnung mitwirkt. Die Liturgie fungiert als intermediärer Raum zwischen subjektiven gegenwärtigen Erfahrungen und den in Bibel und Tradition gronenen Erfahrungen. Zeitlich folgt die christliche Liturgie großenteils jüdischen Ordnungen von Tag, Woche und Jahrzyklus, deutet diese aber unter christologischen Vorzeichen. Das eucharistische Hochgebet mit seiner doxologischen Struktur und der Bitte-Form hat dabei strukturelle Relevanz und bezieht sich auf die jüdische Tradition der Bundeserneuerung.