Gotteskritik bezeichnet die argumentative Kritik am Gottesbegriff selbst und kann als aufklärerisches Unternehmen verstanden werden, das überkommene Traditionen einer rationalen Überprüfung unterzieht. Der Autor unterscheidet zwei Formen: erstens die Kritik an spezifischen Gottesvorstellungen aus theistischer Perspektive, die zwischen dem wahren Gott und menschengemachten Götzen unterscheidet; zweitens die atheistische Gotteskritik, die alle Gottesvorstellungen als menschliche Projektionen versteht. Bereits in der antiken Sophistik mit Xenophanes findet sich die Einsicht, dass Götter nach menschlichem Vorbild entworfen sind (Anthropomorphismus), ein Topos der modernen Religionskritik. Die biblische Aufklärung, exemplifiziert durch den Deutero-Jesaja, kritisiert den Bilderkult als menschliche Produktion und bekräftigt gleichzeitig den einen wahren Gott als nicht-anthropomorphe Realität. Beide Traditionen teilen die Überzeugung, dass ein selbstgemachter Gott kein echter Gott ist. Die moderne Religionskritik seit Feuerbach (ab 1840er-Jahren) erklärt Gott psychologisch als Projektion menschlicher Wünsche und Bedürfnisse. Diese Gotteskritik ist im Lehrplan verankert und trägt im Religionsunterricht zur Entwicklung von Sachkompetenz, Kritikfähigkeit und Urteilsfähigkeit der Schüler bei. Der Artikel demonstriert, dass Gotteskritik nicht prinzipiell gegen Religion gerichtet sein muss, sondern auch dem Schutz authentischer Gottesvorstellungen dienen kann.