Der Artikel von Gabriele Theuer analysiert die religionspädagogische Vermittlung biblischer Gottesvorstellungen bei Kindern und Jugendlichen. Er dokumentiert, dass religiöse Sozialisation zunehmend nicht mehr primär in Familien erfolgt, sondern schulischer Religionsunterricht zur Erstbegegnung mit biblischen Gottesbildern wird. Dabei beeinflussen Familienbeziehungen, Peer-Gruppen, liturgische Kontexte sowie Kunstwerke und Medien die Entwicklung von Gotteskonzepten erheblich. Die Analyse zeigt geschlechtsspezifische Unterschiede: Jungen betonen Gottes Macht, Mädchen seine Nähe und Fürsorge. Kinder entwickeln multiple, kontextabhängige Gottesvorstellungen, die sich durch Leidenserfahrungen massiv verändern können. Bei Jugendlichen wird eine zunehmende Abkehr von traditioneller Gottesrede beobachtet. Der Artikel betont, dass die Bibel keine systematische Gotteslehre, sondern vielfältige, teilweise spannungsreiche Gottesbilder enthält: Gott als Schöpfer, Befreier, Familiengott, König, Richter und Hirte. Das biblische Bilderverbot unterstreicht Gottes Nichtfestlegbarkeit und die Vorläufigkeit menschlicher Gottesbilder. Abschließend werden didaktische Implikationen für die Vermittlung dieser mehrdimensionalen Gottesvorstellungen im Religionsunterricht erörtert.