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Eulenfisch

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Das Absolute trinitarisch denken

Veröffentlichung:1.1.2020

Der Fachartikel „Das Absolute trinitarisch denken“ von Franziskus von Heereman ist im Heft ru-heute erschienen und umfasst ca. fünf Seiten (S. 27–31). Der Artikel behandelt das theologische Problem der Bedeutung der Trinitätslehre für das christliche Gottesverständnis. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass die Trinität in Theologie und Verkündigung oft vernachlässigt wird. Der Autor zeigt mithilfe philosophischer Überlegungen, insbesondere von Jörg Splett und Richard von St. Viktor, dass Gott nur dann als absolute Liebe gedacht werden kann, wenn er trinitarisch, also als Beziehung von drei Personen, verstanden wird.

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Der Artikel beschäftigt sich mit der Frage, warum die Trinitätslehre für das christliche Gottesverständnis zentral ist. Ausgangspunkt ist die Beobachtung Karl Rahners, dass große Teile der religiösen Praxis scheinbar unverändert bleiben könnten, wenn die Trinitätslehre wegfiele. Während die Inkarnation im Glauben vieler Menschen präsent ist, wird die Trinität häufig als unverständliches Geheimnis behandelt. Der Autor kritisiert diese Haltung, weil sie dazu führt, dass ein zentraler Gedanke des christlichen Glaubens praktisch verdrängt wird. Ohne die Trinität würde jedoch die Grundlage verloren gehen, Gott als absolute Liebe zu verstehen.

Der Autor greift einen philosophischen Gedankengang auf, der vor allem von Jörg Splett ausgearbeitet wurde. Dieser knüpft an Richard von St. Viktor an und versucht zu zeigen, dass sich die Dreipersonalität Gottes auch philosophisch erschließen lässt. Ausgangspunkt ist die Frage nach dem Wesen der Liebe. Liebe wird häufig als Selbstliebe verstanden, doch diese kann nicht die höchste Form der Liebe sein. Selbstliebe bleibt immer auf sich selbst bezogen. Die eigentliche Form der Liebe besteht darin, dass eine Person für eine andere Person da ist und sich um deren Wohl sorgt. In dieser Haltung des Einen für den Anderen zeigt sich das, was Menschen moralisch gut macht.

Wenn Gott als absolute Liebe gedacht wird, kann er deshalb nicht bloß ein einzelnes, in sich geschlossenes Wesen sein. Ein Gott, der nur Einheit wäre, könnte nur auf sich selbst bezogen sein. Der Autor verweist auf Aristoteles, dessen Gottesverständnis als Denken des Denkens eine vollkommen selbstbezogene Struktur hat. Ein solcher Gott wäre jedoch keine Liebe. Liebe setzt Beziehung voraus. Daher muss Gott bereits in sich Beziehung enthalten.

Aus dieser Überlegung ergibt sich zunächst eine Zweipersonalität. Gott muss in sich ein Gegenüber haben, dem er sich vollständig schenkt. In der christlichen Tradition werden diese Beziehungspole Vater und Sohn genannt. Der Vater schenkt sich vollkommen dem Sohn, und der Sohn erwidert diese Liebe vollständig. Beide stehen in einem vollkommenen Austausch des Gebens und Empfangens.

Damit ist jedoch noch nicht die volle Struktur der Liebe erreicht. Wenn zwei einander lieben, bleiben sie trotz ihrer Liebe getrennt. Jeder besitzt seine eigene Liebe zum anderen. Außerdem fehlt ihnen jemand, mit dem sie ihre Liebe teilen können. Zwei Liebende sehnen sich nach Einheit, können sie aber allein nicht vollständig verwirklichen. Erst wenn ein Dritter hinzukommt, entsteht eine gemeinsame Liebe. Beide können gemeinsam einen Dritten lieben und mit ihm ihre Liebe teilen.

Hier setzt die trinitarische Struktur an. Neben dem Vater und dem Sohn gibt es den Heiligen Geist als dritte Person. Die mittelalterliche Tradition beschreibt dies mit drei Formen der Liebe: jemanden lieben, von ihm geliebt werden und gemeinsam einen anderen lieben. Diese Struktur ermöglicht ein vollständiges Beziehungsgefüge, in dem jede Person zugleich Liebender, Geliebter und Mitliebender ist. Dadurch entsteht die Einheit eines Wir.

In dieser Dreiheit sind alle Personen gleichrangig. Jede Person steht in Beziehung zu den beiden anderen und vermittelt zugleich ihre Einheit. Die drei Personen bilden jedoch keinen Zusammenschluss von drei Göttern, sondern bleiben der eine Gott. Die Einheit Gottes besteht gerade in diesem vollkommenen Austausch von Liebe.

Der Autor betont, dass diese Struktur keine zeitliche Entwicklung Gottes beschreibt. Gott entscheidet sich nicht irgendwann für diese Beziehung. Vielmehr ist diese dreifache Beziehung sein Wesen. Gott ist immer schon dieses Geschehen gegenseitiger Liebe.

Die Trinität bleibt dennoch ein Geheimnis. Geheimnis bedeutet hier nicht etwas Unverständliches im Sinne von verborgenem Wissen. Vielmehr bezeichnet es eine Wirklichkeit, die größer ist als das menschliche Begreifen und den Menschen zugleich umfasst. Menschen können das Geheimnis Gottes berühren und teilweise verstehen, aber niemals vollständig erfassen.

Die trinitarische Struktur zeigt deshalb nicht nur eine dogmatische Aussage über Gott, sondern beschreibt die innerste Wirklichkeit göttlichen Lebens. Gott ist kein isoliertes Sein und keine bloße Machtfülle. Seine Wirklichkeit besteht in Beziehung, Austausch und gemeinsamer Liebe. Gerade deshalb kann Gott als absolute Liebe verstanden werden.

Die christliche Trinitätslehre bewahrt somit die Überzeugung, dass Gott nicht nur Einheit, Macht oder Sein ist, sondern lebendige Gemeinschaft. Die Einheit Gottes besteht darin, dass drei Personen in vollkommenem Austausch miteinander leben. Weil Gott zu dritt ist, ist er einer. Und weil er liebend einer ist, ist er zu dritt.

Hessen

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Sekundarstufe II | Q2 Gott – verborgen und offenbar

Q2.2 Der drei-einige Gott – das spezifisch christliche Gottesverständnis.

Rheinland-Pfalz

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Sekundarstufe II | 11/2 Der Mensch auf der Suche nach Gott

11.2 / 7. Allgemeine Gottesidee, philosophischer Gottesbegriff und personales Gottesbild.

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