Der Artikel analysiert religiöse Entwicklungsprozesse bei Heranwachsenden und eröffnet religionsdidaktische Perspektiven auf zentrale Aspekte der Gottesfrage. Die Autorinnen und Autoren argumentieren, dass eine existentielle, plurale und deutungsoffene Behandlung der Gottesthematik notwendig ist, um Lernende authentisch zu erreichen. Bei der Schöpfungsthematik zeigt sich, dass Jugendliche typischerweise drei unterschiedliche Positionen einnehmen: den kosmologischen Weltschöpferglauben, den kosmologiefeindlichen Weltschöpferglauben oder den kosmologischen Naturalismus. Ein pünktlicher Religionsunterricht sollte die Ablösung von anthropomorphen Gottesvorstellungen hin zu abstrakteren Konzepten begleiten. Zur Trinität wird besonders der Heilige Geist behandelt, dessen Verständnis bei Kindern rudimentär bleibt und Jugendliche vor Herausforderungen stellt. Hier zeigt sich eine Diskrepanz zwischen theologisch korrekter Vermittlung und der lebensbedeutsamen Relevanzfrage. Die Theodizeefrage stellt eine zentrale Herausforderung dar, da unerfüllte Erwartungen an Gottes Handeln die Ausbildung einer Gottesbeziehung behindern können. Der Text betont die Rolle der Lehrkraft als begleitende Expertin, die durch Textvergleiche, historisch-kritische Zugänge und ganzheitliche Methoden religiöse Perspektiven zu denken ermutigen sollte. Insbesondere für religionsferne Kinder und Jugendliche ist eine sensible Begleitung erforderlich, die akademisches Wissen mit existentiellen Erfahrungen verbindet.