Stefan Scholz' Artikel analysiert das Haus als bibeldidaktisches Thema in mehrschichtiger Perspektive. Zunächst wird das Haus in lebensweltlicher Hinsicht als ambivalente Realität dargestellt, die von Kindern als sicheres Nest, von Jugendlichen aber auch als Beengung erlebt wird und in Extremfällen zum Ort von Gewalt werden kann. Die praktische Dimension behandelt das Haus als Schutzraum vor Witterung und seine ästhetischen, ökonomischen und ökologischen Implikationen, wobei insbesondere die ungleiche Verteilung von Wohnraum und die Folgen der Suburbanisierung kritisch beleuchtet werden. Im biblischen Diskurs wird das hebräische bajit und griechische oikos nicht nur als Gebäude, sondern als Sozialeinheit verstanden, die Personen, Besitz und Verwandtschaftsstrukturen umfasst. Das Alte Testament und apokryphe Texte zeigen eine Spannung zwischen nomadischer Idealität (in Zelten) und sesshafter Realität, wobei die Erinnerung an die Wüstenzeit bewahrt bleibt. Der Tempelbau und die babylonische Exilserfahrung dokumentieren theologische Umbauprozesse von einer Religion des Weges zu einer Religion des Ortes. Das Neue Testament reflektiert diese Spannungen im Jesusbild und in den frühen christlichen Gemeinden, die sich zwischen Hauskirchen und kritischer Distanz zur Sesshaftigkeit bewegen. Der Artikel vernetzt diese verschiedenen Perspektiven und zeigt, wie Hausverständnis grundlegende Fragen von Sicherheit, Gerechtigkeit, Identität und theologischer Transformation aufwirft.