Thomas Schlag erörtert in seinem Artikel Hoffnung als existenzielle Notwendigkeit für menschliches Leben unter den Bedingungen gegenwärtiger ökonomischer, ökologischer und gesellschaftlicher Krisen. Ausgangspunkt ist die empirische Feststellung wachsender Hoffnungslosigkeit bei Jugendlichen in Deutschland, die sich durch Zukunftsängste, Klimaskepsis und Vertrauensverlust in demokratische Institutionen äußert. Der Autor argumentiert, dass institutionelle Praxis sich auf pragmatisches Handeln konzentriert, während große zukunftsorientierte Visionen fehlen – eine Situation, die sich in anti-utopischer und dystopischer Literatur widerspiegelt. Trotzdem zeigt sich historisch, dass Menschen ihre Hoffnung trotz Krisen und Todeserfahrungen bewahren. Hoffnung wird als mehr als bloße optimistische Wahrscheinlichkeitsberechnung charakterisiert: Sie trägt auch wenn Faktenlage dagegen spricht und qualifiziert die Gegenwart durch die Suche nach der Möglichkeit des Guten. Der Artikel unterscheidet zwischen religiös begründeter (christlich-theologischer) und säkularer Hoffnung, die auf Menschenwürde, gerechte Gesellschaft oder Frieden bezogen sein kann. Hoffnung fungiert als Scharnierbegriff zwischen unterschiedlichen Weltanschauungen. Zentral ist die These, dass Hoffnung nicht blind ist, sondern gegenwärtige Verhältnisse scharf analysiert und mit mutigem Vertrauen nach Besserem strebt – sie unterscheidet sich kategorisch von weltferner Utopie und Vertröstung auf ein Jenseits. Etymologisch lässt sich Hoffnung vom mittelhochdeutschen hoffenunge herleiten; das antike elpis drückte zunächst neutrale Erwartung aus, erhielt aber früh kognitive und emotional-affektive Bedeutungen. Religionspädagogisch liegt eine Kernaufgabe darin, durch biblische Hoffnungsüberlieferungen tiefere Horizonte der Hoffnung zu erschließen und deren Bedeutung für individuelle und gemeinschaftliche Lebensführung zu klären.