Der Artikel von Michael Fricke analysiert die religionspädagogische Behandlung des Hiobbuches in der Grundschule aus einer historischen Perspektive. In frühen Unterrichtswerken wie Hübners 'Biblischen Historien' (seit 1714) war Hiob noch enthalten, wurde aber nicht explizit für Kinder ausgewiesen. Während der Liberalen Religionspädagogik und der Evangelischen Unterweisung des 20. Jahrhunderts verschwand Hiob aus Grundschullehrplänen, Unterrichtswerken und Kinderbibeln weitgehend. Die 'Entdeckung' Hiobs für die Primarstufe ist ein Phänomen der neuesten Bibeldidaktik seit den 1990er Jahren, eingeleitet durch Oberthürs Werk 'Kinder fragen nach Leid und Gott'. Fricke identifiziert vier Ursachen für diese Entwicklung: die verstärkte Wahrnehmung von Kinderäußerungen zur Gottesfrage und zum Leid, empirische Forschungen zu Dilemmageschichten mit 'Hiob-Dilemma', die Kindertheologie-Bewegung, die Kinder als theologische Subjekte würdigt, und eine wachsende Wertschätzung der Ketubim/Schriften im Unterricht. Auf Lehrplanebene ist Hiob mittlerweile in mehreren Bundesländern verankert, bleibt aber im Vergleich zu anderen biblischen Texten eher marginal. Fricke konstatiert ein Desiderat: Es fehlen empirische Untersuchungen zur tatsächlichen Zugänglichkeit des Hiobbuches für Grundschüler. Verfügbare Daten stammen aus Dilemmageschichte-Studien (Bucher, Büttner/Rupp), die zeigen, dass bereits Kinder theodizäische Überlegungen anstellen können, aber die formalen und inhaltlichen Besonderheiten des biblischen Textes vernachlässigen. Der Artikel betont, dass die Aufnahme Hiobs in der Grundschuldidaktik mit grundlegend geänderten Haltungen gegenüber Kindern, dem Alten Testament und der Bibeldidaktik selbst zusammenhängt.