Der Artikel von Bernd Schröder analysiert die historische Entwicklung des Judentums als Thema christlich verantworteter Bildung und identifiziert fünf Entwicklungsetappen: die reformpädagogischen Ansätze des Comenius im 17. Jahrhundert, die aufklärerischen Impulse durch Herder, die religionsgeschichtliche Perspektive um 1900, die Integration fremder Religionen in den 1970er Jahren und schließlich das interreligiöse Lernen seit den 1990er Jahren. Der Artikel betont, dass das Judentum nach der Schoah eine besondere Bedeutung in der Religionsdidaktik erhielt, da die Aufarbeitung des christlichen Antijudaismus notwendig wurde. Die theologische Erkenntnis, dass Gott an seinem Bund mit Israel festhält, prägt seitdem die christliche Bildungsarbeit. Heute kommt das Judentum im evangelischen und katholischen Religionsunterricht kontinuierlich zur Sprache, mindestens dreimal während der Schullaufbahn in unterschiedlichen Unterrichtseinheiten. Der christlich-jüdische Dialog außerhalb der Schulen, durch Kirchenausschüsse und Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit, hat maßgeblich zu diesem Wandel beigetragen und fungiert als wirksamer Erwachsenbildungsprozess. Verantwortliche christliche Bildungsarbeit zum Judentum muss dessen Komplexität, die christliche Perspektive auf das Judentum und die gemeinsame Bildungsgeschichte berücksichtigen.