Der Katechumenat ist nach gegenwärtigem Verständnis der Vorbereitung ungetaufter Erwachsener und Jugendlicher auf ihre Eingliederung in die Kirche und umfasst mehr als bloße Wissensvermittlung – er ist Einführung in christliches Leben, Glauben und liturgische Praxis. Das Neue Testament kannte noch keine feste Vorbereitung, doch ab dem 2. und 3. Jahrhundert entwickelte sich unter Druck der Auseinandersetzung mit heidnischen Religionen ein strukturiertes dreijähriges System. Die Katechumenen unterlagen strengen Zulassungskriterien, mussten Umkehr und Lebensänderung zeigen, wurden während der Liturgie teilweise entlassen und durchliefen verschiedene Phasen mit liturgischen Übergangsfeiern. Mit der konstantinischen Wende veränderten sich die Bedingungen fundamentally: Die Kirche wurde zur Reichskirche, gesellschaftliche Motive ersetzten Glaubensmotive, und die aufkommende Praxis der Kindertaufe führte zum Niedergang des Katechumenats. Dieser Verlust bedeutete nicht nur die Aufgabe einer Praxis, sondern einen fundamentalen theologischen Wandel: Die Sakramente verloren ihre Bedeutung als kirchlich-gemeinschaftliche Feiern und wurden zu individuellen Heilsmitteln, besonders um Kindersterblichkeit zu bekämpfen. Im Frühmittelalter verschwand das Katechumenat fast völlig – bei der Germanenmission wurden ganze Stämme ohne echte Glaubensvorbereitung getauft. Französische Theologen des 20. Jahrhunderts wiederentdeckten die inspirierenden Impulse des altkirchlichen Katechumenats bei ihrer Auseinandersetzung mit Säkularisierung. Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) beauftragte die Wiederherstellung eines mehrstufigen Katechumenats, das 1972 mit dem Ordo Initiationis Christianae Adultorum kodifiziert wurde. Das moderne Katechumenat zeichnet sich durch seinen prozesshaften Charakter mit verschiedenen Phasen aus: eine Phase der Vorkehrung und ersten Begegnung, die Katechumenatszeit mit grundlegender Einführung, und die intensive siebenwöchige Fastenvorbereitungszeit bis zur Sakramentenfeier in der Osternacht.