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Eulenfisch

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Der Gott der Ausgangssperre

Veröffentlichung:1.1.2020

Der Fachartikel „Der Gott der Ausgangssperre“ von Till Magnus Steiner ist im Heft ru-heute erschienen und umfasst etwa 6 Seiten. Der Artikel behandelt zentrale theologische Probleme des Umgangs mit Krankheit, Epidemien und Gottesbild in der Bibel. Dabei wird gefragt, wie Gott im Alten Testament als Verursacher oder Beherrscher von Krankheit dargestellt wird und wie biblische Texte Isolation, Schutz der Gemeinschaft und religiöse Deutung von Krankheit beschreiben. Außerdem wird das Verhältnis von Sünde, Krankheit und göttlichem Handeln sowie die Rolle von Quarantäne und Reinheitsvorstellungen diskutiert.

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Der Artikel setzt bei der Erfahrung der Corona Pandemie an und stellt einen Zusammenhang zu biblischen Vorstellungen von Krankheit, Tod und Schutz der Gemeinschaft her. Als Ausgangspunkt dient die Erzählung der letzten Plage in Ägypten im Buch Exodus. Dort sollen die Israeliten das Blut eines Lammes an ihre Türpfosten streichen und ihre Häuser in der Nacht nicht verlassen. Dadurch werden sie vor dem Verderber geschützt, der die Erstgeborenen der Ägypter tötet. Die Häuser der Israeliten werden so zu geschützten Räumen, die symbolisch wie ein heiliger Ort wirken. Diese Situation kann mit einer Ausgangssperre verglichen werden, da die Menschen zum Schutz vor einer tödlichen Bedrohung in ihren Häusern bleiben müssen.

Der Artikel greift anschließend eine wichtige Frage der alttestamentlichen Forschung auf. In der Erzählung wird nicht direkt Gott als derjenige beschrieben, der die Erstgeborenen tötet, sondern eine Gestalt namens Verderber. Dennoch macht der Text deutlich, dass dieses Unheil letztlich auf Gottes Auftrag zurückgeht. Einige Forscher vermuten, dass spätere Bearbeiter des Textes Gott von der direkten Tötung distanzieren wollten. Trotzdem bleibt im biblischen Gottesbild bestehen, dass Gott Herr über Leben und Tod ist und auch Krankheiten und Unglück in seinem Machtbereich liegen.

Im Alten Orient wurden Krankheiten häufig als dämonische Mächte verstanden. Ein Beispiel ist der westsemitische Gott Reschef, der als Verursacher von Epidemien galt. In der Bibel wird eine solche Figur nicht als eigenständige Gottheit verstanden, sondern als Teil von Gottes Machtbereich. Damit zeigt sich die Entwicklung zum Monotheismus, in dem der eine Gott sowohl Heil als auch Unheil umfasst. Gott kann Krankheiten schicken, aber zugleich auch als Arzt heilen.

Ein weiteres Thema des Artikels ist die enge Verbindung zwischen Krankheit und Sünde in vielen biblischen Texten, besonders in den Psalmen. Dort wird Krankheit häufig als Folge persönlicher Schuld interpretiert. Der kranke Mensch bittet Gott um Heilung und verbindet dies mit dem Eingeständnis eigener Sünde. Krankheit wird so Teil der religiösen Bewältigung menschlicher Krisen und Leidenssituationen.

Der Artikel zeigt jedoch auch, dass diese Verbindung nicht in allen biblischen Texten gleich stark ist. Ein Beispiel ist die Krankheit, die oft mit Aussatz übersetzt wird. In den Gesetzestexten des Buches Levitikus steht nicht die Strafe Gottes im Mittelpunkt, sondern der Umgang mit einer ansteckenden Krankheit innerhalb der Gemeinschaft. Menschen mit solchen Hautkrankheiten müssen außerhalb des Lagers leben und Abstand zu anderen halten. Sie sollen sogar selbst vor ihrer Nähe warnen, indem sie Unrein rufen.

Diese Maßnahmen dienen dem Schutz der Gemeinschaft und sind Teil der religiösen Reinheitsvorstellungen. Die Entscheidung darüber, ob jemand als unrein oder rein gilt, liegt beim Priester. Dabei handelt es sich weniger um eine medizinische Diagnose als um eine kultische Beurteilung. Die Isolation der Kranken soll verhindern, dass Unreinheit sich ausbreitet und den Kontakt mit dem heiligen Bereich des Kultes gefährdet.

Wichtig ist, dass diese Krankheit im Gesetzestext nicht automatisch als Strafe Gottes verstanden wird. Erst wenn eine betroffene Person bewusst gegen die vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen verstößt, wird daraus eine moralische Schuld. Die Quarantäne dient daher vor allem dem Schutz der Gemeinschaft und der religiösen Ordnung.

Der Artikel zeigt damit, dass biblische Texte bereits Vorstellungen von Isolation und Schutzmaßnahmen kennen, die modernen Quarantäne Maßnahmen ähneln. Gleichzeitig verdeutlichen sie, dass Krankheit im religiösen Denken sowohl als Teil menschlicher Existenz als auch als Bereich göttlicher Macht verstanden wurde. Die Bibel verbindet medizinische, soziale und religiöse Deutungen von Krankheit miteinander und zeigt unterschiedliche Wege, mit Krisen und Epidemien umzugehen.

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