Der Artikel beschäftigt sich mit der Frage, wie Menschen mit Leid umgehen und wie dieses theologisch gedeutet werden kann. Ausgangspunkt ist das biblische Buch Ijob. Ijob steht für den Menschen, der angesichts von Leid keine Erklärung findet und Gott zur Rechenschaft zieht. Seine Klage zeigt, dass die Welt keine heile Ordnung ist und dass es Situationen gibt, in denen Menschen existentiell an ihre Grenzen geraten.
Die Figur Ijob wird als besonders nah an der Erfahrung moderner Menschen beschrieben. Wie viele Menschen heute fordert Ijob eine Erklärung für das Leid. Er lehnt jedoch die Deutungen seiner Freunde ab, die versuchen sein Leiden moralisch oder rational zu erklären. Sie behaupten entweder, dass sein Leid eine Ursache haben müsse oder dass es letztlich einen Sinn habe. Ijob widerspricht diesen Deutungen entschieden. Für ihn bleibt sein Leid sinnlos. Dadurch wird deutlich, dass Versuche, Leid zu rechtfertigen oder ihm einen höheren Sinn zuzuschreiben, aus theologischer Sicht problematisch und sogar zynisch sein können.
Der Artikel überträgt diese Einsichten auf aktuelle Erfahrungen wie Pandemien. Auch moderne Erklärungen durch Wissenschaft oder gesellschaftliche Entwicklungen können das Leiden der Opfer nicht sinnvoll machen. Zwar können Ursachen beschrieben werden, doch sie geben dem Leid keinen Sinn. Der christliche Glaube lehnt deshalb jede Rechtfertigung von Leid ab. Stattdessen richtet er die Hoffnung auf Gottes zukünftiges Handeln und auf eine erneuerte Schöpfung.
Im Buch Ijob antwortet Gott schließlich selbst. In zwei großen Reden zeigt Gott, dass die Welt nicht ausschließlich auf den Menschen ausgerichtet ist. In der ersten Rede verweist Gott auf wilde Tiere wie den Löwen oder den Wildesel. Damit wird deutlich, dass es Bereiche der Schöpfung gibt, die sich menschlicher Kontrolle entziehen. Die Natur ist nicht vollständig beherrschbar und dient nicht nur den Bedürfnissen des Menschen. In der Gegenwart können auch Viren und Bakterien als Ausdruck dieser unkontrollierbaren Natur verstanden werden.
Diese Perspektive relativiert das menschliche Selbstverständnis. Der Mensch ist nicht die Krone der Schöpfung und kann das Leben nicht vollständig kontrollieren. Gleichzeitig zeigt sich, dass Menschen immer auch auf Kosten anderen Lebens leben und deshalb in moralische Konflikte geraten.
In der zweiten Gottesrede werden die mythischen Tiere Leviathan und Behemoth erwähnt. Sie stehen für Chaosmächte, die die Welt bedrohen. Diese Mächte sind jedoch ebenfalls Geschöpfe Gottes. Dadurch wird deutlich, dass die Welt zwar von bedrohlichen Kräften geprägt ist, aber dennoch Teil der Schöpfung bleibt. Die Welt ist daher weder vollkommen geordnet noch vollkommen chaotisch.
Der Artikel verbindet diese biblischen Bilder mit politischen Überlegungen. Das Bild des Leviathan wurde auch in der politischen Theorie verwendet, etwa um den Staat zu beschreiben, der Ordnung schaffen soll. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass ein solcher Staat selbst zur zerstörerischen Macht wird. In der Corona Krise zeigt sich diese Spannung besonders deutlich, wenn der Staat zur Bekämpfung einer Gefahr weitreichende Maßnahmen ergreift und Freiheitsrechte einschränkt.
Am Ende betont der Artikel, dass Leid keinen Sinn erhält und nicht gerechtfertigt werden kann. Die Hoffnung des christlichen Glaubens richtet sich deshalb nicht auf eine perfekte Welt innerhalb der Geschichte. Sie richtet sich auf Gottes zukünftiges Handeln, das die Welt verwandelt und das Leiden beendet. Das Buch Ijob zeigt damit, dass Menschen Leid ernst nehmen müssen und Gott weiterhin mit dem Leiden der Welt konfrontieren dürfen.