Die Kirchengeschichtsdidaktik ist ein elementares Lern- und Bildungsangebot des Religionsunterrichts, das sich davon unterscheidet, wie Kirchengeschichte im Geschichtsunterricht behandelt wird. Das Forschungsfeld befasst sich damit, inwiefern die Auseinandersetzung mit kirchengeschichtlicher Vergangenheit lernende Subjekte in ihrer Lebensgestaltung unterstützen kann. Kirchengeschichte wird nicht als Sammlung von Fakten verstanden, sondern als historiographischer Prozess, der überlieferte Quellen perspektivisch rekonstruiert. Ab den 1980er Jahren haben Forscher wie Peter Biehl und Bernhard Jendorff das Feld vorangebracht, indem sie apologetische Tendenzen durch ökumenische Perspektiven ersetzten und die Lernenden ins Zentrum rückten. In jüngerer Zeit werden elementarisierende, biografische, geschichtskulturelle, konstruktivistische und erinnerungskulturelle Perspektiven erforscht. Eine subjektorzentrierte Didaktik muss fragen, wie Lernende zum Inhaltsbereich eingestellt sind und welche Voraussetzungen sie mitbringen. Empirisch zeigt sich, dass Kirchengeschichte im Schulunterricht wenig beliebt ist, während Erwachsene größeres Interesse haben, besonders bezüglich ihrer biografischen Verortung. Heranwachsende erwerben historisches Wissen oft außerschulisch durch Medien wie Filme und Online-Spiele, wobei dabei Stereotypisierungen entstehen. Kirchengeschichte dient der religiösen Bildung, indem sie Lernende zu verantwortlicher Auseinandersetzung mit Glaube und Religion befähigt. Während Geschichtsunterricht Religionen als historische Kräfte untersucht, verfolgt Religionsunterricht genuin religiöse Lernziele. Der Artikel skizziert geschichtskulturelle und weitere Argumente für die Thematisierung kirchengeschichtlicher Inhalte unter religionsdidaktischen Vorzeichen.