Der Kirchenkampf der 1930er und 1940er Jahre entstand aus der Verunsicherung des deutschen protestantischen Bürgertums nach dem Ersten Weltkrieg und der wirtschaftlichen Krise, wodurch rassistische und völkische Ideologien an Attraktivität gewannen. Der 1921 gegründete Bund für deutsche Kirche unter Kurd Niedlich forcierte eine rassistische Reformation des Protestantismus, insbesondere durch die Verfälschung von Religionsinhalten im Schulunterricht und eine arische Umdeutung Jesu. Die NSDAP-unterstützte Glaubensbewegung Deutsche Christen erzielte 1932 bei der preußischen Kirchenwahl überraschende Erfolge und nutzte dies zur Durchsetzung einer NS-gesteuerten Gleichschaltung der evangelischen Kirche. Diese Gleichschaltung umfasste die Abschaffung demokratischer Strukturen, die Besetzung von Führungspositionen mit Nationalsozialisten und die Implementierung antijüdischer Maßnahmen wie des kirchlichen Arierparagrafen. Trotz anfänglicher Sympathien für die NS-Bewegung leisteten überraschend viele Pfarrer und Laien Widerstand gegen diese kirchenpolitischen Veränderungen. Die organisatorische Gegenbewegung manifestierte sich unter anderem in der Gründung der Jungreformatorischen Bewegung im Mai 1933, die sich grundsätzlich gegen die Ausschließung von Nichtariern aus der Kirche stellte. Der Konflikt eskalierte auf organisatorischer, theologischer und juristischer Ebene und führte zeitweise zum Zerbrechen einzelner Landeskirchen. Der Autor betont die Relevanz dieser kirchenhistorischen Vorgänge für die gegenwärtige Pädagogik, da sie Möglichkeiten und Grenzen im Widerstand gegen rassistische Bedrohungen demonstrieren und als Lernmöglichkeit für aktuelle gesellschaftliche Konflikte dienen können.