Der Artikel behandelt Kirchenraumpädagogik als das pädagogische Anliegen, Sinngehalte christlicher Kirchenräume in einer pluralen Gesellschaft ganzheitlich und erfahrungsorientiert zu vermitteln. Der Begriff unterscheidet sich von historisch-genetischen Kirchenführungen durch systematische didaktische Phasen und Prinzipien. Etymologisch und theologisch wird Kirche zunächst als Gemeinde (ek-klesia) verstanden, nicht als Bauwerk. Die Weihe einer Kirche konstituiert einen heiligen Raum als relationale (An)Ordnung, die Gott Raum gibt und Menschen zu Gottesbegegnung führt. Die Heiligkeit basiert auf der Versammlung, der Eucharistiefeier und der Gegenwart Christi. Der raumsoziologische Ansatz ermöglicht ökumenische und interreligiöse Perspektiven. Die Entstehung der Kirchenraumpädagogik verdankt sich Impulsen der Reformpädagogik, der Museumspädagogik sowie theologischen Aufbrüchen des II. Vatikanischen Konzils und evangelischen Missionsanliegen. Theologische Wurzeln liegen bei Romano Guardini, Adolf Adam und Clemens Richter. 1991 wurde die Bezeichnung Kirchenpädagogik eingeführt, 2001 der Bundesverband gegründet. Die Kirchenraumpädagogik verfolgt drei zentrale Ziele: Alphabetisierung, Erinnerung und Beheimatung, um Zeichen und Symbole erschließbar zu machen, spirituelle Erfahrung zu ermöglichen und Beheimatung in der Gemeinde zu fördern.