Der Artikel dokumentiert die Entwicklung des Konfirmandenunterrichts von seinen Anfängen in der Reformationszeit bis zur gegenwärtigen Konfirmandenarbeit. Luther lehnte die katholische Firmung ab, und Martin Bucer etablierte 1539 die evangelische Konfirmation als eigenständigen Ritus mit katechetischen, admissiven und disziplinierenden Funktionen. Nach einer Unterbrechung durch den Dreißigjährigen Krieg erfuhr die Konfirmationspraxis durch den Pietismus eine Wiederbelebung mit stärkerem Fokus auf persönliche Frömmigkeit. In der Aufklärungszeit etablierte sich die Konfirmation als Passageritus mit gesellschaftlicher Relevanz, wodurch spezialisierter Konfirmandenunterricht notwendig wurde. Im 19. und 20. Jahrhundert entstanden vielfältige Reformbemühungen, doch durchgreifende Veränderungen vollzogen sich erst ab den 1960er-Jahren. Diese Erneuerung umfasste drei zentrale Wendungen: die realistische Wende durch Walter Neidhart, die subjektorientierte Wende mit stärkerer Fokussierung auf die Konfirmanden selbst, und die Transformation von traditionellem Unterricht zu offenen Arbeitsformen wie Konfi-Tagen und Freizeiten. Parallel entwickelte sich eine gemeindepädagogische Profilierung und Teamorientierung. In der DDR nahm die Entwicklung einen anderen Verlauf durch die Konkurrenz mit der staatlichen Jugendweihe, führte aber zu innovativen Konzepten des konfirmierenden Handelns. Nach der Wiedervereinigung institutionalisierten sich Leitpublikationen wie Glauben entdecken und das Handbuch für die Arbeit mit Konfirmanden. Empirische Forschungen von 2007 bis 2017 zeigen, dass trotz Entkirchlichung etwa 30 % der 14-Jährigen im Westen teilnehmen, wobei die Konfirmandenarbeit ihre Attraktivität unter Bedingungen religiöser Pluralisierung bewahrt hat.