Der Artikel untersucht die Konstantinische Wende als fundamental wichtiges Ereignis für die Geschichte des Christentums und Europas. Kaiser Konstantin (306-337 n. Chr.) machte das Christentum zur Staatsreligion und schuf damit eine untrennbare Verbindung zwischen Kirche und Staat, die für etwa 1500 Jahre Bestand hatte. Dies geschah in einem religionspluralistischen Kontext der Spätantike, der modernen pluralen Gesellschaften ähnelt. Die Autorin zeigt die ambivalenten Folgen auf: Einerseits ermöglichte dies die christliche Prägung Europas, die Entwicklung der Kirchenarchitektur (Basilika-Form), die Festlegung des Sonntags als Ruhetag und die Verbindung christlicher Wertvorstellungen mit staatlichen Grundrechten. Andererseits wird die Konstantinische Wende teilweise kritisch als problematische Entfernung vom ursprünglichen christlichen Ideal interpretiert, da sie zur Verstrickung des transzendenten Gottes in irdische Kämpfe führte. Der Artikel vergleicht auch die Schnittstellen von Staat und Kirche in der Gegenwart, etwa beim konfessionellen Religionsunterricht in Deutschland, und diskutiert Habermas' Konzept der "postsäkularen Gesellschaft". Konkrete Nachwirkungen der Konstantinischen Wende zeigen sich in der Wahl des Sonntags als heiliger Tag, der Festlegung von Weihnachten auf den 25. Dezember (verbunden mit dem Sonnengott Sol Invictus) sowie in Debatten zur Kinder- und Erwachsenentaufe, die ihre Wurzeln im vierten Jahrhundert haben.