Der Artikel analysiert die Transformation von Kriegsformen und deren theologisch-ethische Bewertung in der christlichen Tradition. Mokrosch dokumentiert den Wandel von klassischen Zwischenstaatskriegen zu modernen asymmetrischen Konflikten mit hybriden Kriegsteilnehmern, Drohnen und digitalen Waffen. Er argumentiert, dass moderne Kriege das Konzept des "gerechten Krieges" fundamental infrage stellen und stattdessen von "rechterhaltenden Militärischen Interventionen" gesprochen werden sollte. Der Autor setzt sich mit dem problematischen Begriff "gerechter Frieden" auseinander und plädiert für "Frieden in Gerechtigkeit", der globale Gerechtigkeitsperspektiven einbezieht. Die historische Analyse verfolgt fünf Brennpunkte der "Gerechter Krieg"-Theorie: den radikalen Pazifismus der Frühchristen, Augustins Begründung des Verteidigungskrieges unter vier Kriterien, Aquinas' Ergänzung um Verhältnismäßigkeit und defensiven Charakter, Luthers ständisch differenzierte Kriegserlaubnis mit Widerstandsrecht bei ungerechten Kriegen, und Kants aufklärerisches Konzept des Ewigen Friedens durch republikanische Staatsverfassungen. Mokrosch wirft fünf zentrale Fragen für die gegenwärtige Debatte auf: die ethische Vertretbarkeit begrenzter militärischer Interventionen als ultima ratio, die Chancen gewaltfreier ziviler Strategien, die Option vollständiger Abrüstung wie in Costa Rica, die Notwendigkeit militärischer Bündnisse, und eine spezifisch christliche Position zu modernen Kriegen. Der Artikel verdeutlicht die Spannung zwischen theologischer Friedensethik und praktischen Sicherheitsanforderungen sowie die Notwendigkeit, klassische Kategorien der Kriegslegitimation grundsätzlich zu überdenken.