Der Artikel untersucht den Begriff Kritik (abgeleitet von griechisch krinein: unterscheiden, prüfen) in seiner religionspädagogischen Bedeutung. Kritik wird definiert als das Hinterfragen von Wirklichkeit, Prüfung von Aussagen auf Sachbezogenheit und skeptische Grundhaltung, die implizit ein utopisches, aufbauendes Element enthält. Die historische Entwicklung zeigt, dass seit der Antike Kritik in Literatur und Ästhetik angewandt wurde und in der Aufklärung durch Kant und Voltaire zur philosophischen Methode wurde, wobei Vernunft als Kriterium diente. Goethe problematisierte jedoch die Ambivalenz der Vernunft als Kritikwerkzeug. Die Religionskritik des 19. und 20. Jahrhunderts (Feuerbach, Marx, Nietzsche, Freud) basierte auf aufklärerischer Vernunft und empirischer Analyse, wandte sich aber primär gegen das Christentum. Eine wichtige Wende zeigt sich durch Denker wie Horkheimer und Habermas, die der Religion trotz kritischer Distanz eine sinngebende Ressourcenfunktion zuerkennen. Herbert Schnädelbach hingegen sieht in Religion nur noch Bildungsqualität. Die Neuen Atheisten vertreten eine wissenschaftlich begründete Moral ohne göttliche Legitimation. Parallel zu externer Religionskritik existiert seit jeher interne theologische Kritik durch Reformbewegungen im Christentum und anderen Religionen. Der Artikel zeigt somit ein differenziertes Verständnis von Kritik als sowohl destruktiv-negativ als auch konstruktiv-utopisch ausrichtbar.