Der Lexikonartikel 'Liebe' von Thomas Schlag und Jasmine Suhner untersucht das semantische und konzeptuelle Feld der Liebe in ihren vielfältigen Erscheinungsformen. Der Text beginnt mit der Feststellung, dass Liebe in Gesellschaft, Kultur, Kunst und Medien allgegenwärtig ist und Menschen zeitlos fasziniert. Die Autoren legen dar, dass Liebe nicht nur partnerschaftliche Beziehungen, sondern auch familiäre, freundschaftliche und spirituelle Bindungen umfasst. Sie zeigen auf, dass sich Verständnis und Praktizierung von Liebe durch kulturelle und historische Wandlungsprozesse verändern, wie die Diskussionen um Ehe für alle oder polyamore Beziehungsformen belegen. Der etymologische Abriss verdeutlicht, dass das deutsche Wort 'Liebe' auf indogermanische Wurzeln zurückgeht und sich zum Mittelhochdeutschen entwickelte. Die Autoren präsentieren ein ausdifferenziertes Liebesverständnis, das verschiedene Typen von Liebe unterscheidet: eros, philia, agápe und romantische Liebe sowie Sehnsucht. Philosophisch wird Liebe zunächst mit Platon untersucht, der Liebe als metaphysisches Streben nach dem Guten deutet und Eros als dämonische Kraft zwischen Menschlichem und Göttlichem versteht. Im Mittelalter entsteht eine Verschiebung hin zu weltlicherer Liebeserfahrung, wie die Minnesänger zeigen. Der Text betont, dass Liebe hermeneutisch überladen ist und emotionale wie rationale Deutungen provoziert. Abschließend wird verdeutlicht, dass Liebe unverfügbar bleibt und ihr Verständnis durch historische Deutungskämpfe geprägt ist, besonders im christlich-theologischen Kontext.