Der Artikel analysiert den Vernetzten Unterricht als eines der vier Strukturelemente des Marchtaler Planes, eines reformpädagogischen Bildungskonzepts für katholische Schulen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Das Konzept basiert auf einer christlichen Anthropologie, die die von Gott geschenkte Freiheit und die Gottebenbildlichkeit des Menschen in den Mittelpunkt stellt. Bildung wird als Prozess der Selbstbildung verstanden, der das komplexe Beziehungsgeflecht zwischen Gott, Mensch, Mitmensch und Welt berücksichtigt. Der Vernetzte Unterricht fokussiert auf Phänomene und Themen statt auf Fachsystematiken und verfolgt das Ziel, eine Haltung der Achtung und Achtsamkeit einzuüben. Erkenntnistheoretisch beruht der Ansatz auf der Überzeugung, dass alle Phänomene der Wirklichkeit zusammenhängen und der Mensch diese in ihren Abhängigkeiten, Beziehungen und Unterschieden erkennen kann. Schöpfungstheologisch wird diese Vernetzung damit begründet, dass alles von Gott umfasst ist und die Schöpfung einen inneren Zusammenhang bildet. Der Artikel verbindet diese Perspektive mit hermeneutischen und dialektischen Ansätzen sowie mit reformpädagogischen Traditionen, die Phänomene als Ganzes wahrnehmen und nicht zersplittern wollen. Dadurch sollen thematische, personelle, organisatorische und zeitliche Konzentration ermöglicht werden, in der Person und Sache in einen fruchtbaren Austausch treten. Der Vernetzte Unterricht ist komplementär zu anderen Strukturelementen des Marchtaler Planes zu verstehen und dient letztlich der Entwicklung selbstbestimmter und verantwortungsvoller Persönlichkeiten.