Der Artikel begründet die Notwendigkeit, Maria als Unterrichtsgegenstand in Primar- und Sekundarstufe behandeln zu müssen, obwohl sie in der alltäglichen Lebenswelt von Schülern keine explizite Rolle spielt. Kulturhermeneutische Gründe sprechen dafür, dass das Verständnis von Kunstwerken und Kirchenausstattungen Wissen über Maria voraussetzt und damit zur Allgemeinbildung gehört. Bildungstheoretisch wird argumentiert, dass die Auseinandersetzung mit Maria als Ausdruck theologischer Rationalität zur umfassenden Bildung beiträgt. Theologische Gründe speisen diese Argumente: Das Neue Testament enthält keine systematische Mariologie, sondern verstreute Aussagen über Maria in vier Motivkreisen. Erstens wird Maria als Mutter Jesu dargestellt, um sein wahres Menschsein gegen gnostische Tendenzen zu unterstreichen (Gal 4,4f.). Zweitens fungiert Maria als Typos der wahren Jüngerinnen und Jünger. Drittens erscheint sie als prophetische und solidarische Frau, und viertens wird ihre Rolle in der Urgemeinde thematisiert. Der Artikel zeigt, dass bereits Markus Maria als Teil von Jesu Familie erwähnt, was die Normalität seines Menschseins verdeutlicht. Die später entstehenden Evangelien von Matthäus und Lukas gestalten die Kindheitsgeschichten theologisch dicht aus und verwenden dabei Stilmittel alttestamentlicher Wundergeburtserzählungen, um die Besonderheit Jesu von Anfang an auszuweisen. Der Artikel bietet damit eine biblisch-theologische Grundlegung für die didaktische Behandlung Marias im Unterricht, ergänzt durch kirchliche Traditionen evangelischer und katholischer Provenienz sowie unterrichtspraktische Vorschläge.