Der Artikel analysiert aktive Medienarbeit als handlungsorientierte medienpädagogische Methode, bei der Heranwachsende selbstständig Medien wie Druck, Fotografie, Film oder Video produzieren und dabei zu mündigem, kritischem Medienumgang befähigt werden. Das Konzept hat tiefe historische Wurzeln, die auf sowjetische Filmexperimente der 1920er Jahre, die Arbeiterradiobewegung und medienkritische Theorien von Brecht, Benjamin und Enzensberger zurückgehen. Nach Fred Schell verfolgt aktive Medienarbeit fünf Zielperspektiven: Stärkung von Kommunikations- und Interaktionsfähigkeit durch reflexive Selbstwahrnehmung, Exploration der Lebenswelt und Eröffnung neuer Erfahrungsräume, Herstellung von Gegenöffentlichkeit und Artikulation eigener Interessen, Durchschauung von Medienproduktionsmechanismen sowie Erkenntnisgewinnung für Pädagogen und Forschung. Zentrale Lernprinzipien sind handelndes Lernen, exemplarisches Lernen und interaktionales Gruppenlernen mit Lebenswelt-, Subjekt- und Tätigkeitsorientierung. Der Artikel betont jedoch die Diskrepanz zwischen emanzipatorischen Idealzielen der Theorie und praktischer Umsetzung, wo oft Spaß im Vordergrund steht und kritisches Medienverständnis untergeordnet bleibt. Während Videoarbeit als "Königsweg des Königsweges" gilt, bleiben andere Medienformen wie Schülerzeitungen konzeptionell unterbelichtet. Jüngere Entwicklungen wenden den Ansatz auch auf Grundschul- und Vorschulkinder an, wobei kleine Kinder aufgrund ihrer Aufmerksamkeitsspanne skeptischer bewertet werden.