Der Artikel analysiert den Begriff der Menschenwürde als hochrelevantes, aber mehrdeutiges Konzept der modernen Gesellschaft. Die Autoren zeigen anhand gegenwärtiger Beispiele (Maskenpflicht, Rassismuskritik, Me Too, Flüchtlingsfragen), dass Menschenwürde in aktuellen Debatten emotional aufgeladen und teilweise politisch funktionalisiert wird. Etymologisch stammt der deutsche Begriff von wirdî/wirde und meint einen spezifischen Eigenwert des Menschen, unterscheidet sich aber vom lateinischen dignitas-Konzept, das Statusfragen betraf. Historisch entwickelt sich das Konzept vom frühen Christentum und Judentum (Gottebenbildlichkeit) über die antik-römische Philosophie (Cicero) bis zur europäischen Aufklärung im 17./18. Jahrhundert. Mit der Renaissance und Aufklärung verschiebt sich die Begründung von religiöser zu naturrechtlicher Grundlage, wonach Menschenwürde angeboren und nicht ableitbar ist. Philosophisch wird Menschenwürde besonders durch Pufendorf und Kant zu einem umfassenden Konzept eines inneren, absoluten Menschenwertes ausformuliert, der in ethischem Verhalten evident wird. Der Artikel betont, dass Menschenwürde sowohl individuelle als auch kollektive Dimensionen umfasst und sich auf fundamentale Bedingungen menschlichen Lebens bezieht. Eine theologische und religionspädagogische Reflexion muss diese Komplexität ernst nehmen und die Herausforderung meistern, den Begriff didaktisch sinnvoll zu vermitteln, besonders angesichts von Missbrauchsskandalen in religiösen Institutionen.