Der Artikel behandelt den theologischen Begriff der Nachfolge als zentrales Konzept christlicher Praxis. Während die evangelische Theologie den Begriff aufgrund seiner Konnotationen mit Bonhoeffer und evangelikalen Strömungen weitgehend meidet, nimmt er in der katholischen Befreiungstheologie einen wichtigen Platz ein. Historisch wird die Entwicklung vom Neuen Testament über das Mönchtum und die Reformation bis zu Bonhoeffer nachgezeichnet, der Nachfolge als Gehorsam im Glauben und als Abgrenzung von billiger Gnade versteht. In der katholischen Theologie greifen Vertreter der Befreiungstheologie wie Jean Baptiste Metz und der feministischen Theologie das Thema auf und verstehen Nachfolge als praktisches Engagement aus der Perspektive der Opfer. Der Autor plädiert dafür, Nachfolge als bildungsrelevantes Schlüsselkonzept zu verstehen, das religiöse Erfahrungen, theologische Sprachfähigkeit und alltägliche gelebte Theologie verbindet. Damit wird Nachfolge als ein christliches Empowermentkonzept vorgestellt, das zur Freiheit befähigt und Leben fördert.