Der Artikel analysiert die didaktische Behandlung des Neuen Testaments im Religionsunterricht, ausgehend von einer Schülertabelle, die verschiedene Problembereiche verdeutlicht. Der Autor differenziert zwischen historischen Entstehungsmodellen des biblischen Kanons: dem prozessualen Modell der allmählichen Kanonbildung durch Gemeindepraktiken und dem Modell der gezielten Publizistik, die theologische Diskrepanzen zwischen Paulus und Petrus minimieren sollte. Zentral ist die Spannung zwischen der kanonischen Einheit der Bibel und ihrer inneren Vielfalt sowie zwischen verschiedenen Hermeneutik-Zugängen. Der Artikel unterscheidet holzschnittartig zwischen theologischer, historisch-kritischer und rezeptionsorientierter Auslegung und zeigt, dass die moderne Bibelwissenschaft diese Perspektiven schwer miteinander vermitteln kann. Für die Bibeldidaktik gewinnt seit dem Perspektivwechsel zum Kind die Rezeptionsorientierung an Bedeutung, die den Leseprozess selbst als Ort der Sinnkonstitution versteht. Der Autor argumentiert, dass ein produktives Verhältnis zwischen theologischer und rezeptionsorientierter Hermeneutik hergestellt werden kann, während die Verbindung zur historisch-kritischen Methode problematisch bleibt. Praktische Didaktik sollte Schülerinnen und Schülern ermöglichen, das Neue Testament authentisch zu erschließen und dabei ihre Selbstverständigung zu fördern.