Der Artikel behandelt die pädagogische Erschließung historischer Orte im Kontext der Religionsdidaktik. Die zentrale These besagt, dass historische Orte ihre ursprüngliche Bedeutung im Laufe der Geschichte verloren haben und daher einer besonderen didaktischen Begründung für Kinder und Jugendliche bedürfen. Der Autor argumentiert, dass solche Orte zur Selbstverständigung über die eigene kulturelle Identität, zum Verständnis gegenwärtiger Alltagswelten und zum Umgang mit kollektiven Erinnerungen unerlässlich sind. Der Artikel unterscheidet mehrere Kategorien: Historische Orte im engeren Sinne (Klöster, Kirchen, Pestkreuze), Wallfahrts- und Pilgerorte, virtuelle Orte, Erinnerungsorte und Personengedenkstätten. Bei den historischen Orten werden vier größere Kategorien differenziert: Orte großer Geschichte, historische Stätten (Kirchen und Klöster), lokal bedeutsame Orte und unsichtbar gewordene Orte. Wallfahrts- und Pilgerorte wie Jerusalem, Rom und Santiago de Compostela entstanden aus jüdischen Traditionen und prägten die christliche Volksfrömmigkeit über Jahrhunderte. Die Reformation führte zu einer theologischen Kritik der Wallfahrten und Heiligenverehrung, wobei Luther, Calvin und Zwingli diese Praktiken ablehnten. Trotzdem persistierten solche Formen der Volksfrömmigkeit lokal. Virtuelle Orte imitieren reale Wallfahrtsorte und ermöglichen eine Art Ersatz-Pilgerfahrt im eigenen Kulturraum, wie das Beispiel des Nürnberger Kreuzwegs zeigt. Der Artikel hebt hervor, dass kirchengeschichtliche Inhalte auch gefährliche Erinnerungen transportieren und damit zur kritischen Reflexion von Selbstverständlichkeiten einladen.