Der Artikel von Christian Cebulj widmet sich der bibeldidaktischen Vermittlung des Apostels Paulus in der Grundschule und diagnostiziert eine Diskrepanz zwischen der hohen theologischen Bedeutung des Paulus für Theologie und Kirche und seiner geringen Beliebtheit als Unterrichtsthema. Dies liegt primär an der sprachlichen und konzeptionellen Schwierigkeit seiner Briefe für junge Schüler. Der Autor identifiziert zwei zentrale bibeldidaktische Fallen: Erstens die sogenannte Historismusfalle, bei der Religionspädagogen sich einseitig auf die narrative Darstellung in der Apostelgeschichte stützen und dabei die theologischen Aussagen der Paulusbriefe ignorieren, was zu einem verfälschten Paulusbild führt. Zweitens besteht die Gefahr, durch unreflektierte Paulusdarstellungen antijüdische Stereotype zu transportieren und zu verfestigen. Der Artikel kritisiert die Nutzung populärer Hilfsmittel wie des Phantombildes des Paulus und betont stattdessen die Notwendigkeit, beide textlichen Quellen (Apostelgeschichte und Paulusbriefe) als Ausgangspunkt für Lernsequenzen zu nutzen. Dies ermöglicht sowohl einen biographischen als auch theologischen Zugang. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Konzept der erinnerungsgeleiteten jüdisch-christlichen Lernens, das historische Texte in Bezug zur gegenwärtigen jüdisch-christlichen Dialogsituation interpretiert. Der Autor warnt zudem vor veralteten Paulusbildern in Kinderbibeln, die Paulus als aggressiven Judenhasser darstellen, der sich zum Christentum bekehrt – eine Darstellung, die die falsche Vorstellung einer Bekehrung vom Judentum zum Christentum erzeugt, obwohl Paulus von Geburt an Shaul-Paulus hieß und jüdisch blieb. Die Herausforderung für den Religionsunterricht besteht darin, Paulus als relevanten Gesprächspartner für gegenwärtige Kinderfragen zu erschließen, ohne dabei theologische Komplexität zu simplifizieren oder historische Wirklichkeit zu verfälschen.