Der Artikel von Julia Gerth analysiert die Pfingstgeschichte (Apg 2,1-47) als bibeldidaktisches Thema für verschiedene Schulstufen. Fachwissenschaftlich wird zunächst die Stellung der Pfingstgeschichte im Lukasevangelium und der Apostelgeschichte geklärt: Sie markiert das Scharnier zwischen der Geistverheißung Jesu und der Entstehung der ersten Gemeinde in Jerusalem. Die narrative Struktur gliedert sich in die Ausgießung des Geistes mit dem Sprachenwunder (Apg 2,1-13) und die Petrus-Predigt (Apg 2,14-42). In der Forschung wird kontrovers diskutiert, welche historischen Kerne der Text bewahrt und welche Elemente lukanische Komposition sind; relative Einigkeit besteht nur hinsichtlich einer möglichen Massenekstase der Jünger. Die Sprachenwunder-Motive und Theophaniemotive werden unterschiedlich der vorlukanischen Tradition oder der lukanischen Redaktion zugeordnet. Die Petrus-Predigt trägt klar lukanische Handschrift und dient der Verkündigung von Jesu Tod und Auferweckung. Empirische Studien zeigen, dass Schüler nur geringes Vorwissen zur Pfingstgeschichte mitbringen: etwa 28% der Schüler der Klassen 6-7 kennen die Geschichte, bei Grundschülern sind es nur 5,2%. Pfingsten rangiert bei der Beliebtheit von Bibelgeschichten weit hinten, obwohl es das drittwichtigste christliche Fest ist. Diese Diskrepanz zwischen kirchlicher Bedeutung und didaktischer Präsenz erklärt die fehlende Verankerung in Kerncurricula und Schulbüchern. Der Artikel verdeutlicht damit die Herausforderung für die Religionspädagogik, eine wenig bekannte und für Schüler zunächst wenig relevante Geschichte didaktisch sinnvoll zu vermitteln.