Der Artikel untersucht verschiedene historische und systematische Verständigungen von Philosophie über mehr als 2000 Jahre. Petermann unterscheidet vier Ebenen: Philosophie als Fach für elementare Fragen, als spezifische Methode wissenschaftlicher Auseinandersetzung, als Weltanschauung und als alltägliche reflektierte Praxis. Die wissenschaftlich präzise Definition basiert auf der Etymologie: Philosophie bedeutet intensive und reflektierte Auseinandersetzung mit Wissen (philein sophia), nicht Lehre der Weisheit. Zentral für die philosophische Methode ist die sokratische Frage ti estin (was ist etwas?), die nach grundlegenden Prinzipien fragt. Aristoteles gründet Philosophie auf das menschliche Streben nach Einsicht und entwickelt aufeinander aufbauende Einsichtsformen von der Verwunderung zur Wissenschaft. Kant reformuliert dies durch die vier Grundfragen und betont, dass Philosophie selbsttätiges Denken erfordert. Im 19. Jahrhundert erfährt Philosophie einen Statusverlust durch szientistische Reduktionen, behauptet aber ihre Berechtigung als Reflexion von Wissen und Wissenschaft. Entscheidend ist, dass Philosophie nicht nur ein Gegenstand oder eine Weltanschauung ist, sondern eine Haltung, in der das Denken sich selbst denkt. Platons Höhlengleichnis zeigt Philosophieren als zentralen Bildungsprozess der Umwendung vom Schein zur Wahrheit. Damit wird Philosophie als essenzielle Bildungswissenschaft charakterisiert, die transformative Prozesse ermöglicht und kritisches Denken kultiviert.