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Ich will nicht vor meiner Behinderung fliehen

Veröffentlichung:1.1.2021

Der Fachartikel „Ich will nicht vor meiner Behinderung fliehen“ ist im Heft ru heute erschienen und umfasst etwa vier Seiten (S. 47 bis 50). In dem Interview spricht der Schauspieler und Autor Peter Radtke über sein Leben mit Behinderung, seine Arbeit auf der Bühne und über gesellschaftliche Entwicklungen im Umgang mit behinderten Menschen. Theologisch relevant sind insbesondere Fragen nach Menschenwürde, Inklusion, dem Umgang mit Verschiedenheit sowie nach Glauben, Gott und Leben nach dem Tod.

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Der Artikel enthält ein Interview mit dem Schauspieler, Autor und Behindertenaktivisten Peter Radtke, das kurz vor seinem Tod geführt wurde. Radtke blickt auf sein Leben und seine berufliche Tätigkeit zurück. Früher hätte er sich vor allem als Schauspieler bezeichnet, doch da er inzwischen nicht mehr auf der Bühne steht, sieht er sich heute eher als Schriftsteller. Eine Bezeichnung als Rentner lehnt er jedoch ab.

Radtke berichtet, dass ein Schauspieler mit sichtbarer Behinderung auf der Bühne niemals einfach nur eine Rolle spielt, sondern dass immer auch seine eigene Person wahrgenommen wird. Die Behinderung ist für Publikum und Mitspielende sichtbar und beeinflusst die Wahrnehmung der Rolle. Seine Erfahrungen mit Kolleginnen und Kollegen waren meist positiv. Dennoch merkt er, dass der Umgang mit einem behinderten Schauspieler unterschiedlich sein kann. Manche begegnen ihm selbstverständlich und nah, andere bleiben auf Distanz. Für ihn ist entscheidend, dass die Zusammenarbeit funktioniert und die Qualität der Darstellung stimmt.

Die Arbeit auf der Bühne stellt für ihn trotz seiner Glasknochenkrankheit eine besondere Herausforderung dar. Er beschreibt es als kleines Wunder, dass er während seiner aktiven Bühnenzeit keinen Knochenbruch erlitten hat. Besonders bei Proben entstehen Risiken, weil dort viele Bewegungen ausprobiert werden.

Im Gespräch wird auch über andere Schauspieler mit Behinderung gesprochen, etwa über Samuel Koch. Radtke sieht unterschiedliche Wege im Umgang mit Behinderung auf der Bühne. Während manche versuchen, möglichst wie nichtbehinderte Schauspieler aufzutreten, verfolgt Radtke einen anderen Ansatz. Für ihn ist es wichtig, die eigene Behinderung nicht zu verstecken oder ihr zu entkommen. Stattdessen möchte er sie bewusst in seine Rollen einbringen. Dadurch kann beim Publikum eine neue Perspektive entstehen. Er betont, dass er nicht vor seiner Behinderung fliehen will, sondern sie produktiv machen möchte.

Radtke spricht auch über seine Rollenauswahl. Er achtet darauf, keine Rollen anzunehmen, die stereotype Vorstellungen über behinderte Menschen verstärken. Besonders kritisch sieht er Rollen, in denen Behinderung mit dem Bösen verbunden wird. Deshalb hätte ihn die Rolle des Faust mehr interessiert als die Rolle des Mephisto. Ziel seiner Arbeit ist es, Klischees zu hinterfragen und neue Sichtweisen zu ermöglichen.

Für Radtke hat das Theater eine große persönliche Bedeutung. Die Bühne ist für ihn eine Art Heimat. In verschiedenen Ländern hat er ähnliche Strukturen und Arbeitsweisen erlebt, die ihm Orientierung und Zugehörigkeit geben.

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs ist die gesellschaftliche Entwicklung im Umgang mit Behinderung. Radtke erkennt zwar Fortschritte, etwa durch die Idee der Inklusion, sieht aber auch Rückschritte und neue Formen von Ausgrenzung. Er warnt davor, zu glauben, dass gesellschaftliche Fortschritte dauerhaft gesichert sind. Entwicklungen verlaufen seiner Meinung nach in Wellen. Besonders kritisch sieht er politische und gesellschaftliche Tendenzen, die wieder stärker nach einer angeblich homogenen Gesellschaft streben und bestimmte Gruppen ausschließen.

Am Ende des Interviews spricht Radtke über religiöse Fragen. Er glaubt, dass nach dem Tod nicht einfach alles endet, auch wenn er keine klare Vorstellung vom Jenseits hat. Die verschiedenen religiösen Bilder vom Leben nach dem Tod hält er für menschliche Versuche, sich etwas Unbekanntes vorzustellen. Wichtig erscheint ihm vor allem, das eigene Leben möglichst menschlich und verantwortungsvoll zu führen. Entscheidend sei nicht, sich ausschließlich auf das Jenseits zu konzentrieren, sondern das Leben im Diesseits sinnvoll zu gestalten.

Auf die Frage, ob er sich als Christ bezeichnen würde, antwortet Radtke differenziert. Er glaubt an eine Schöpferkraft oder an Gott, möchte diese Wahrheit jedoch nicht auf eine einzige Religion beschränken. Er sieht in verschiedenen Religionen Hinweise auf das Göttliche. Daher bezeichnet er sich zwar als jemand, der im christlichen Kontext aufgewachsen ist, versteht seinen Glauben jedoch als offen für andere religiöse Traditionen.

Zum Schluss nennt er eine Rolle, die er gerne noch gespielt hätte: die Rolle des Faust.

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