Rudolf Sitzberger analysiert in seinem Artikel die Bedeutung von Regionalgeschichte für die kirchengeschichtliche Didaktik im Religionsunterricht. Ausgehend von der postmodernen Lebenssituation, geprägt durch Globalisierung und Digitalisierung, konstatiert der Autor ein Phänomen der 'Glokalisierung': Obwohl Kinder und Jugendliche in einer global vernetzten Welt aufwachsen, bleibt ihre konkrete alltägliche Lebensgestaltung vor Ort in lokalen Systemen verankert. Empirische Daten belegen, dass regionale Aktivitäten und Orte für junge Menschen weiterhin zentrale Bedeutung haben. Der Artikel argumentiert, dass kirchengeschichtliches Lernen optimal an diese regionale Verankerung der Lernenden anknüpft. Dabei unterliegt Regionalgeschichtsdidaktik denselben wissenschaftlichen Kriterien und Anforderungen wie die allgemeine Kirchengeschichtsdidaktik: Inhalte müssen wissenschaftlich fundiert, kompetenzorientiert ausgewählt und zur religiösen Selbstvergewisserung beitragen. Zentral sind sechs leitende Prinzipien: Reziprozität, Exemplarität, Personalisierung, Multiperspektivität, Lokalisierung und Handlungsorientierung. Die Lokalisierung ermöglicht außerschulische Lernorte wie Museen und schafft emotionale Bezüge, da Lernende bereits persönliche Erfahrungen mit regionalen Orten verbinden. Das Konzept verfolgt zwei Ziele: erstens aufzuzeigen, dass bedeutende historische Ereignisse wie die Reformation nicht nur an bekannten Zentren wie Wittenberg Spuren hinterlassen, sondern auch in scheinbar unscheinbaren Regionen wirksam wurden; zweitens regionale Besonderheiten zu erschließen, die lokale Bräuche und Entwicklungen erklären. Die Reziprozität als Prinzip bedeutet, gegenwärtige Fragen der Lernenden als Ausgangspunkt für die historische Auseinandersetzung zu nutzen und vor Ort bedeutsame Fragestellungen zu finden, die zum geschichtlichen Thema führen.