Der Artikel von Gerhard Büttner dokumentiert die Entwicklungsgeschichte evangelischer Religionsbücher in deutscher Sprache. Der Autor zeigt auf, dass Religionsbücher seit der Erfindung des Buchdrucks und der Reformation ein konfessionelles Gepräge aufweisen, wobei evangelische und katholische Linien sich gegenseitig beeinflussten. Die Analyse unterscheidet zwei grundsätzliche Gestaltformen: erstens die reformatorische Trias aus Katechismus, bebilderter Auswahlbibel und Spruchsammlung, die bis in die 1960er Jahre prägend blieb, und zweitens einen neuen Schulbuchtyp ab den 1970er Jahren. Büttner verwendet ein idealtypisches Verfahren nach Max Weber, um charakteristische Merkmale anhand von Werken mit hoher Verbreitung zu untersuchen. Als Prototypen der ersten Form analysiert er Luthers Passional und den Kleinen Katechismus sowie exemplarisch Hübners und später Barths 'Bibel-Geschichten', die zu den am weitesten verbreiteten evangelischen Büchern überhaupt wurden. Ein weiterer einflussreicher Longseller war Jörg Erbs 'Schild des Glaubens'. Diese Werke verbanden biblische Nacherzählungen mit Bibelversen, Katechismus und Spruchsammlungen in einem für die kirchliche Unterweisung bis 1960 typischen Muster. Der Artikel dokumentiert einen deutlichen Paradigmenwechsel in den 1970er Jahren, ausgelöst durch veränderte Erwartungen von Schülern und Lehrern an eine jugendgerechte Vermittlung. Die neuen Religionsbücher wie 'Orientierung Religion' und das 'Kursbuch' zeichneten sich durch moderne Aufmachung (Fotos statt Holzschnitte), problemorientierte Themen sowie exegetische Erkenntnisse aus. Trotz dieses markanten Bruches zeigt sich eine überraschende inhaltliche Kontinuität über vier Jahrzehnte hinweg.