Das moderne Religionsbuch als Schulbuch ist ein relativ junges Produkt, das im katholischen Bereich erst um das II. Vatikanische Konzil (1962-1965) entwickelt wurde und sich grundlegend von anderen religiösen Büchern unterscheidet. Die Geschichte der katechetischen Unterweisungsmaterialien reicht jedoch bis zur frühen Kirche zurück, wobei die Didache (um 100 n.Chr.) als ältestes bekanntes Unterweisungsbuch gilt. Im Mittelalter wurden religiöse Lehren in memorierfähigen Texten festgehalten, die oft in Reimform für die Mehrheit der Leseukundigen vorgesehen waren. Georg Witzel führte im 16. Jahrhundert den Begriff "Katechismus" im katholischen Deutschland ein und verfolgte dabei ein innovatives Konzept, das Glauben und Werke sowie die Bibel miteinander verbinden wollte, scheiterte aber an gegenreformatorischen Bestrebungen. Der Jesuit Petrus Canisius entwickelte später Katechismen in differenzierten Versionen für verschiedene Altersstufen und etablierte damit erstmals das Konzept des Unterrichts in Klassen. Das traditionsreiche Frage-Antwort-Schema des Katechismus basierte zwar auf der Taufpraxis der Alten Kirche, reduzierte sich aber zu reiner Memorierung von festgelegtem Wissen statt echten Lernens. Während Witzel mit der Maieutik eine alternative Lehrform vorschlug, die Schüler zur eigenständigen Einsicht führte, setzte sich das autoritative Memorierschema durch. Erst im 20. Jahrhundert führte die Weiterentwicklung zu didaktisch befriedigenden Religionsbüchern, die moderne pädagogische Prinzipien berücksichtigen.