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Jesus als Aktivist: »Das Neue Evangelium«

Veröffentlichung:1.1.2021

Der Fachartikel „Jesus als Aktivist: »Das Neue Evangelium«“ von Franz Günther Weyrich ist im Heft ru-heute erschienen und umfasst ca. zwei Seiten (S. 93–94). Der Artikel beschreibt den Film Das Neue Evangelium des Regisseurs Milo Rau, der die biblische Passionsgeschichte mit der heutigen sozialen Realität von afrikanischen Erntehelfern in Süditalien verbindet. Jesus wird dabei als politischer Aktivist dargestellt, der für Würde und Gerechtigkeit kämpft.

Der Beitrag behandelt mehrere theologische Probleme:

die Aktualisierung der Botschaft Jesu in der Gegenwart

die Verbindung von Glaubensverkündigung und politischem Engagement

die Frage nach der Darstellung Jesu im Film

die Rolle von Kunst und Inszenierung bei der Vermittlung biblischer Inhalte.

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Der Artikel beschäftigt sich mit der Darstellung Jesu im Film Das Neue Evangelium des Regisseurs Milo Rau und ordnet diesen Film in die Geschichte der Bibelfilme ein. Zu Beginn stellt der Autor fest, dass viele Bibelfilme Schwierigkeiten haben, die Wirkung der biblischen Texte filmisch überzeugend umzusetzen. Häufig bleiben sie entweder reine Nacherzählungen ohne dramatische Kraft oder sie erfüllen ihren Anspruch, Glauben zu wecken, nur begrenzt. Als gelungene Beispiele nennt der Autor Filme wie Jesus von Montreal von Denys Arcand und Das erste Evangelium nach Matthäus von Pier Paolo Pasolini. Diese Filme verbinden eine eigenständige künstlerische Gestaltung mit einer Auseinandersetzung mit den biblischen Texten.

Vor diesem Hintergrund wird das Projekt von Milo Rau vorgestellt. Sein Film Das Neue Evangelium verbindet die biblische Passionsgeschichte mit der sozialen Realität der Gegenwart. Der Film wurde in der italienischen Stadt Matera gedreht. In dieser Region arbeiten viele afrikanische Migranten als Landarbeiter unter schlechten Bedingungen. Ihre Situation bildet einen zentralen Bestandteil des Films. Rau lässt einen politischen Aktivisten aus der Gruppe der Migranten die Rolle Jesu spielen. Dadurch verschränken sich die biblische Geschichte und die gegenwärtige soziale Wirklichkeit. Der Film zeigt den Kampf der Arbeiter um gerechte Löhne und menschenwürdige Lebensbedingungen und deutet diesen Kampf als eine moderne Form der Jesusbotschaft.

Der Film greift bewusst Bezüge zu Pasolinis Werk auf. Matera war bereits Drehort für Pasolinis Jesusfilm und auch ein Schauspieler aus diesem Film tritt in Raus Projekt auf. Inhaltlich verbindet beide Filme die Darstellung Jesu als jemand, der sich besonders den Menschen am Rand der Gesellschaft zuwendet. Themen wie soziale Ungerechtigkeit, Machtverhältnisse, Kapitalismus und Ausbeutung spielen eine wichtige Rolle. Die Würde jedes Menschen steht im Mittelpunkt.

Ein besonderes Merkmal von Raus Film ist die bewusste Reflexion über das eigene künstlerische Verfahren. Der Film zeigt nicht nur die inszenierten Szenen der Passionsgeschichte, sondern auch die Arbeit am Film selbst. Zuschauer sehen Proben, Diskussionen und den Einfluss der Kamera auf politische Aktionen. Damit wird deutlich gemacht, dass es sich um ein künstlerisches Projekt handelt und nicht um eine rein realistische Darstellung. Diese Vorgehensweise erinnert an Verfremdungseffekte aus dem Theater und unterscheidet sich deutlich von emotional überwältigenden Darstellungen, wie sie etwa in Die Passion Christi von Mel Gibson zu finden sind.

Durch diese Distanzierung wird die Identifikation mit den Figuren nicht einfach vorgegeben. Stattdessen stellt der Film Fragen an die Zuschauer. Wer möchte ich in dieser Geschichte sein. Welche Rolle würde ich einnehmen. Diese Frage wird auch im Film selbst thematisiert, etwa beim Casting der Darsteller. Die Beteiligten dürfen Rollen auswählen und ausprobieren. Dadurch entstehen teilweise überraschende oder ironische Konstellationen. Ein Bürgermeister spielt zum Beispiel eine mitfühlende Figur, während ein Aktivist einen römischen Soldaten darstellt.

Das Spiel mit Rollen zeigt, dass zwischen Darstellung und Wirklichkeit eine enge Verbindung besteht. Rollen können Aspekte der eigenen Persönlichkeit sichtbar machen und verborgene Einstellungen offenlegen. In einigen Szenen wird deutlich, dass Gewalt oder Aggression auch in scheinbar harmlosen Spielsituationen sichtbar werden können. Gleichzeitig eröffnet das Rollenspiel die Möglichkeit, neue Perspektiven einzunehmen und über das eigene Handeln nachzudenken.

Der Film versteht die Passionsgeschichte daher nicht nur als religiöse Erzählung, sondern als eine Aufforderung zur Auseinandersetzung mit sozialen Ungerechtigkeiten in der Gegenwart. Die Botschaft Jesu wird als Aufruf verstanden, sich für Würde, Gerechtigkeit und Solidarität einzusetzen. Dadurch wird die biblische Geschichte in eine aktuelle gesellschaftliche und politische Perspektive übertragen.

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