Der Artikel analysiert religiöse Bildung (Religious Education) in den USA, einem Land mit großer religiöser und kultureller Vielfalt. Mary E. Hess verwendet Mary Boys' Definition von religiöser Bildung als Zugang zu Traditionsinhalten und deren transformativer Vermittlung. Der Text zeigt, dass die US-amerikanische Religionspädagogik durch drei zentrale historische Dynamiken geprägt ist: erstens die koloniale Geschichte mit Unterdrückung von Indigenen und versklavten Menschen, zweitens die Entwicklung eines individualistischen Glaubensverständnisses und drittens die rechtliche Trennung von Kirche und Staat. Diese Geschichte führte zu kontrastierenden Narrativen, in denen religiöse Identität oft als privat und persönlich konstruiert wird, während öffentliche Strukturen von christlichen Idealen geprägt bleiben. Der Artikel erörtert verschiedene terminologische Konzepte wie Discipleship, Faith Formation, Spiritual Formation, Catechesis, Evangelism und andere je nach Religionstraditionen. Katholische und lutherische Gemeinschaften mit klaren Wissenshierarchien antworteten auf die Herausforderung mit Parochialschulen und Katechese, während dezentralisierte protestantische und reformierte Kirchen Sonntagsschulen in Kirchengemeinden etablierten. Der Text betont, dass religiöse Bildung in den USA immer die Spannung zwischen Pluralität und Christian-normativen Strukturen sowie die Perspektiven von minoritäten Religionstraditionen berücksichtigen muss.