Der Artikel untersucht das Schöpfungsthema als zentrale theologische und religionspädagogische Aufgabe in der gegenwärtigen Diskurssituation. Das Schöpfungsthema erfährt durch interdisziplinäre Grenzflächen zur Kosmologie und Evolutionstheorie sowie durch ökologische Fragen des Klimawandels bleibende Aktualität. Die bisherige wissenschaftstheoretische Debatte zwischen Naturwissenschaft und Theologie wird zunehmend durch ethische und ökologische Perspektiven ergänzt. Empirische Befunde zeigen jedoch erhebliche Defizite: In Unterrichtsmaterialien wird Schöpfung oft unkritisch mit Natur gleichgesetzt und ohne klärenden Kontext verwendet. Qualitative Studien dokumentieren eine Vielfalt von Schöpfer- und Naturwissenschaftseinstellungen bei Schülerinnen und Schülern, die nicht auf bipolare Kategorien reduzierbar sind. Die Analyse von Unterrichtswerken offenbart, dass biblische Schöpfungstexte häufig als antiquiert dargestellt und nicht adäquat theologisch erschlossen werden. Bei Lehrkräften zeigen sich unzureichende diagnostische Kompetenzen zur Erfassung unterschiedlicher Schülerperspektiven. Der Artikel identifiziert einen problematischen Kreislauf: mangelhaftes Unterrichtsmaterial führt zu geringem Lernerfolg, während die Entwicklung notwendiger Lehrkräfte-Kompetenzen systematisch vernachlässigt wird. Insgesamt wird argumentiert, dass Schöpfung als relationaler und theologisch grundlegender Begriff neu konzeptualisiert werden muss, um sowohl religiöses Wirklichkeitsverständnis als auch gelebte Verantwortungsbeziehungen zur Schöpfung zu ermöglichen.