Der Artikel definiert Schulbibeln als für Schulzwecke bearbeitete Bibelausgaben, die als Lernmittel im Unterricht statt der Vollbibel eingesetzt werden und sich primär an Schülerinnen und Schüler richten. Schulbibeln existieren in verschiedenen Formen: als Vollbibeln mit schulischem Design, als Auswahlbibeln mit Vollbibeltexten oder als Kinder- und Jugendbibeln mit Nacherzählungen, Erklärungen und Bildern. Das didaktische Problem besteht darin, dass viele biblische Texte für Schüler unverständlich sind, weshalb Elementarisierung und erklärende Zusatzmaterialien notwendig sind. Historisch lassen sich erste Ansätze religiöser Vermittlung im Mittelalter mit liturgischen Basistexten wie Vaterunser und Dekalog nachweisen. Mit der Reformation entstanden unter Martin Luther und Philipp Melanchthon schulische Strukturen und erste pädagogisch ausgerichtete Bibelausgaben wie das Enchiridion Melanchthons. Im 17. und 18. Jahrhundert entwickelten sich spezialisierte Lernbibeln mit Holzschnitten und Merkgedichten. August Herrmann Francke prägte ein altersgerechtes Vermittlungsmodell, das in Johann Hübners "Zwei mal zwei und fünfzig auserlesene Biblische Historien" (1714) exemplarisch umgesetzt wurde und durch Fragen, Lehraussagen und moralisierende Reflexionen charakterisiert war. Mit der Verbreitung von Vollbibeln durch die Cansteinsche Bibelgesellschaft (1710) und die Bibelgesellschaften des 19. Jahrhunderts wurden Schulbibeln zunehmend verfügbar. Heute gelten Schulbibeln neben Religionsbüchern als Lerngrundlagen des Religionsunterrichts, deren Einsatz in den meisten Bundesländern durch Lernmittelfreiheit geregelt wird.