Der Artikel von Henning Schluß bietet einen umfassenden Überblick über die Genese der Institution Schule vom Altertum bis zur Frühen Neuzeit. Das Wort Schule leitet sich vom griechischen σχολή ab, das ursprünglich Muße bedeutete und nur freien Bürgern zugänglich war. In Antike, Mittelalter und früher Neuzeit entwickelte sich Schule als Bildungsinstitution, zunächst für Eliten in Klöstern, Stiften und Domschulen, später auch in städtischen Trivialschulen. Die Reformation markiert einen Wendepunkt: Luther begründet in seiner Ratsherrenschrift nicht nur theologisch, sondern auch pragmatisch die Notwendigkeit allgemeiner Bildung für alle Stände und Geschlechter. Er verankert dabei das antike Ideal der Bildung um ihrer selbst willen in einer neuzeitlichen Perspektive auf ungewisse Zukünfte. Philipp Melanchthons Konzept der höheren Schulen etabliert das Gymnasium als neue Schulform und wird sogar von der Gegenreformation übernommen. Parallel entstehen Fürstenschulen zur Ausbildung von Verwaltungseliten. Die Schulpflicht wird erst unter Herzog Ernst I. von Gotha im 17. Jahrhundert eingeführt. Der Artikel dokumentiert damit den Wandel von Schule als Privileg zu Schule als öffentliche Institution und zeigt die Persistenz pädagogischer Ideen von der Antike bis in die Moderne.