Der Artikel analysiert die religionspädagogische Bedeutung von Segen und Segnen im Grundschulalter und begründet deren zentrale Relevanz für Kinder sowohl empirisch als auch theologisch. Beobachtungen bei schulischen Übergangsfeiern zeigen, dass der Segen als leibliche Konkretion von Gottes Nähe Kinder emotional bewegt, besonders auch solche aus sozial benachteiligten Verhältnissen. Die Autoren identifizieren mehrere Gründe für die kindliche Nähe zum Segen: Kinder sind empfänglich für direkte Zuwendung durch Handauflegung und persönlichen Zuspruch, sie haben einen unverkrampften Zugang zu Gesten und Gebärden, und sie können intuitiv das Wesen des Segens als Erfahrung von Gottes Zusage nachvollziehen. Theologisch wird der Segen als Grundgeste des Christentums und Judentums charakterisiert, die neben dem Gebet eine der zwei essentiellen Kommunikationsformen mit Gott darstellt. Der Segen folgt einer triadischen Struktur, in der Gott – nicht die segnende Person – als eigentlicher Segnender fungiert und dem Menschen seine wirksame Gegenwart individuell zusichert. Ein interreligiöser Vergleich zeigt, dass ein personalisierter Segensgestus eine Besonderheit des Christentums und Judentums ist. Der Artikel kritisiert, dass die religionsdidaktische Vermittlung von Segenswissen lange ein Desiderat war, obwohl Kinder lernten zu beten, aber kaum zu segnen. Für die praktische Umsetzung wird unterstrichen, dass die persönliche Haltung der Lehrperson entscheidend ist und dass Segenserfahrungen nur in freiwilliger Annahme ihre transformative Kraft entfalten können, ohne Zwang oder Druck.