Katrin Bederna untersucht das Phänomen von Segen und Segnen aus bibeldidaktischer Perspektive für die Sekundarstufe. Sie differenziert drei zentrale Bedeutungsebenen: erstens Segen als schöpfungstheologische Gabe Gottes, die sich in Kraft, Fruchtbarkeit und gelingendem Leben manifestiert; zweitens Segnen als performativer Akt der Übertragung und Vergegenwärtigung des Guten durch Wort und Geste mit sozialer, legitimatorischer und machtförmiger Funktion; drittens Segnen als Lobpreis Gottes. Der Artikel hinterfragt die in religionspädagogischer Literatur häufig behauptete These vom "Bedürfnis nach Segen" Jugendlicher und stellt fest, dass naturalistische und deistische Weltbilder sowie der zeitgenössische Autonomieanspruch Jugendlicher einer Deutung des Guten als göttliche Gabe entgegenstehen. Bederna identifiziert allerdings eine gewisse Konjunktur außerordentlicher christlicher Segensfeiern in neuen Lebenskontexten, warnt aber vor empirischen Verallgemeinerungen. Sie argumentiert, dass schulische Zusammenhänge aus Gründen der Altersangemessenheit und institutionellen Machtasymmetrie nicht für direktes Segnen geeignet sind, sondern eher indirekte, propädeutische und reflexive Zugänge erfordern. Zentral für die Unterrichtsgestaltung sind grundlegende theologische Fragen nach der Theodizee, dem Handeln Gottes und der Abgrenzung zwischen Segen und Magie, die als "echte" Fragen im Religionsunterricht offen bleiben müssen. Der Artikel reflektiert außerdem die grundsätzliche religionspädagogische Problematik zwischen Schule und liturgischer Praxis im Kontext performativen Religionsunterrichts.