Der Artikel untersucht das Selfie als kulturelles und pädagogisches Phänomen. Der Begriff entstand 2002 und wurde 2013 zum Wort des Jahres gekürt, wobei Selfies als eigenes visuelles Genre verstanden werden, das sich durch die Verbindung von Selbstbildnis mit digitaler Distribution auszeichnet. Kernmerkmale sind die Nutzung als Kommunikationsmittel, die Bedeutung für den gegenwärtigen Moment sowie die Sichtbarmachung der Aufnahmesituation selbst. Selfies können als gefrorene Spiegelbilder analysiert werden, die Fragen zur Wahrnehmung von Wirklichkeit aufwerfen und die zeitliche Differenz zwischen Aufnahme und Betrachtung verdeutlichen. Empirisch zeigen JIM- und KIM-Studien, dass Selfies für Jugendliche ein zentrales Alltagsphänomen darstellen – 85% machen Selfies, viele täglich. Aus religionspädagogischer Perspektive verdient das Phänomen Aufmerksamkeit, da es Einblicke in gegenwärtige Identitätsbildungsprozesse bietet und als didaktischer Zugang zu anthropologischen sowie ethischen Fragen fungiert. Der Artikel betont die Notwendigkeit, Lebensweltphänomene und christliche Traditionen in angemessener Weise ins Gespräch zu bringen, ohne dabei entweder simplifizierende Analogien zu schaffen oder nur die Lebenswelt zu spiegeln.