Der Artikel befasst sich mit Simon Petrus als Gegenstand der Bibeldidaktik und analysiert die Herausforderungen seiner unterrichtlichen Vermittlung. Thomas Heller zeigt zunächst auf, dass Petrus trotz seiner zeitlichen und kulturellen Entfernung durch seine Namenswahl (Peter, Pietro, Pierre) und seine Patronate (Fischer, Schiffer, Schlosser) vielfältige Anknüpfungspunkte in der heutigen Lebenswelt bietet. Allerdings wurde die biblische Gestalt durch eine reichhaltige Wirkungsgeschichte erheblich überfrachtet, insbesondere durch die römisch-katholische Papsttumstheologie und die protestantische Reformationskritik, wodurch sie zur kontroverstheologischen Reizfigur wurde. Das Neue Testament überliefert ausführlicher von Petrus als von anderen Jüngern, wobei drei Textgattungen relevant sind: die Paulusbriefe (ca. 50-60), die Evangelien (ca. 70-100) und die Apostelgeschichte (ca. 90-100), ergänzt durch die Petrusbriefe und neutestamentliche Apokryphen. Zentral ist die methodische Einsicht, dass keine authentischen Selbstaussagen des Petrus vorliegen und die überlieferten Texte tendenziös geprägt sind. Dennoch lässt sich die historische Existenz des Petrus, seine Herkunft, sein Beruf und seine Bedeutung im Zwölferkreis mit historischen Plausibilitätskriterien rekonstruieren, vergleichbar mit der Rekonstruktion des historischen Jesus. Die nachösterlichen Prägungen in den Evangelien verdecken zwar vorösterliche Spuren, bewahren aber dennoch historische Informationen. Die bibeldidaktische Aufgabe besteht darin, Petrus zwischen historischer Rekonstruktion, theologischer Tradition und volksfrommeR Popularisierung produktiv zur Sprache zu bringen.