Der Artikel von Andrea Schulte analysiert Sprache als komplexes Zeichensystem, das als Medium menschlicher Verständigung, Identitätsbildung und emotionaler Ausdrucksfähigkeit fungiert und anthropologisch in der Lebenspraxis verankert ist. Für Theologie und Religionspädagogik ist die Frage nach der Sagbarkeit Gottes zentral; Religion ist nach Martin Breul ohne Sprache nicht denkbar, benötigt aber sprachliche Vermittlung zur Anschlussfähigkeit in pluralisierten Gesellschaften. Religiöse Sprache wird als charakteristische Anderssprache (Stefan Altmeyer) beschrieben, die sich durch symbolische, metaphorische und narrative Formen auszeichnet und sich von anderen Wissensdomänen unterscheidet. Die seit 40 Jahren verbreitete Diagnose einer religiösen Sprachkrise und Sprachlosigkeit wird vom Autor kritisch hinterfragt und statt dessen eine grundlegende Transformation der Gottesrede vorgeschlagen, wobei Suchsprache als Qualitätsmerkmal moderner religiöser Sprache gilt. Die Transformation überlieferter Gottesrede in gegenwärtige Kultur und die Aneignung religiöser Sprachfähigkeit durch Heranwachsende stellen zentrale religionspädagogische Aufgaben dar. Im Kontext der Digitalisierung entstehen neue Formen religiöser Sprache in sozialen Medien, Blogs und Foren, die unterschiedliche sprachliche Duktus aufweisen und einer vertieften Analyse bedürfen. Der Artikel plädiert dafür, religiöse Sprachbildung als kritische Medienbildung zu konzipieren und die zunehmende religiöse und sprachliche Heterogenität in religionspädagogischen Theoriebildungsprozessen zu berücksichtigen.